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16. Februar 2011
"Flüsse brauchen Überflutungsräume"
BZ-INTERVIEW mit Jochen Flasbarth vom Umweltbundesamt über die Folgen des Klimawandels für Städte, Landwirte und Firmen.
Auch wenn die Bekämpfung des Klimawandels aus Sicht von Jochen Flasbarth erste Priorität hat: Der Präsident des Umweltbundesamts mahnt Politik, Landwirte und Unternehmen, sich gegen die unabwendbaren Folgen der Erderwärmung zu wappnen. Mit Flasbarth sprach Bernhard Walker.
BZ: Wir alle erinnern uns an die Bilder von den gigantischen Überschwemmungen, die es zuletzt in Australien und Pakistan gab. Allein in Australien stand eine Fläche unter Wasser, die so groß war wie Deutschland und Frankreich zusammen. Ist mit solchen Ereignissen auch in Deutschland zu rechnen?Flasbarth: Natürlich lässt sich die Flut, die es in Australien gab, geografisch nicht eins zu eins in die Bundesrepublik übertragen. Klar ist allerdings, dass die Wahrscheinlichkeit solcher Ereignisse voraussichtlich zunimmt.
BZ: Was heißt das für Deutschland?
Flasbarth: Die Untersuchung, die wir gemeinsam mit dem Deutschen Wetterdienst, dem Technischen Hilfswerk und dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe erstellt haben, belegt, dass wir aufgrund des weltweiten Klimawandels in der Bundesrepublik künftig auch in den Sommermonaten mit häufigerem Starkregen zu rechnen haben. Zudem werden die Flüsse vermutlich häufiger Hochwasser führen.
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BZ: Wie sollte die Gesellschaft darauf reagieren?
Flasbarth: Man darf auf keinen Fall beim Klimaschutz nachlassen. Es hat sich ja nun eine Debatte über die Kosten des Klimaschutzes entzündet. Die ist absurd, wenn man sich vor Augen hält, wie teuer die Zerstörung ist, die ein ungebremster Klimawandel auslöst. Daneben gilt es aber auch, die nicht mehr abwendbaren Folgen des Klimawandels in den Blick zu nehmen und uns darauf einzustellen.
BZ: Was heißt das konkret?
Flasbarth: Städte zum Beispiel müssen so geplant werden, dass mehr Wasser versickern kann. Zudem brauchen die Flüsse natürliche Überflutungsräume, damit möglichst wenig Hochwasser bewohntes Gebiet erreicht.
BZ: Es wird neben einer Zunahme an Starkregen und Hochwasser auch so sein, dass einige Regionen stärker unter Hitze und Trockenheit leiden werden. Welche Anpassungen verlangt das?
Flasbarth: Es handelt sich dabei um einen Gürtel, der sich von den Schiefergebirgen in Westdeutschland bis nach Sachsen zieht. Wenn dort eine Hitze- und Trockenheitsperiode vorüber ist, kann es extrem heftig regnen, was der Bodenerosion Vorschub leistet. Deshalb ist es wichtig, dass die Landwirte dort für eine ganzjährige Bodenbedeckung sorgen und kaum offene Äcker mehr haben. Wir raten auch dazu, mehr Fruchtfolgen einzuhalten und zu einer schonenden Bodenbearbeitung zu kommen.
BZ: Was kann der einzelne Bürger in Deutschland tun, um sich für die Folgen der Extremwetterereignisse zu wappnen?
Flasbarth: Ich würde ihm zum Beispiel raten, nicht dort ein Haus zu bauen, wo die Überschwemmungsgebiete der Flüsse liegen. Aber wenn es darum geht, die nicht mehr abwendbaren Folgen des Klimawandels zu bewältigen, ist ebenso der Staat mit den Maßnahmen gefragt, die ich erwähnte.
BZ: Was muss die Wirtschaft tun?
Flasbarth: Die Energieversorgungsunternehmen beispielsweise müssen auch die Stabilität der Netze achten. Vor einigen Jahren knickten im Münsterland Strommasten um, was damals viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit fand. Wenn nun Wetterextreme zunehmen – und dazu zählen auch Stürme – wird die Netzstabilität umso wichtiger. Auch gilt es sicherzustellen, dass Kern- und Kohlekraftwerke, die Kühlwasser brauchen, auch in trockenen, heißen Sommern genug Kühlwasser haben. Diese Aufgabe schwindet zwar in dem Maße, in dem erneuerbare Energien aufwachsen. Solange aber Atomkraftwerke und Kohlekraftwerke zur Stromerzeugung beitragen, muss die Kühlung gesichert sein.
Autor: bwa



