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03. August 2012

Staatsbesuch

Gauck rockt Polens Woodstock

Bundespräsident Joachim Gauck und sein polnischer Amtskollege Bronislaw Komorowski haben in Polen ein berühmtes Musikfestival eröffnet.

  1. Komorowski, mit offenem Jackett, und Gauck, noch zugeknöpft, eröffnen das Festival. Foto: dpa

  2. Woodstock auf Polnisch Foto: dpa

KOSTRZYN/KÜSTRIN. Staub, Hitze, Bässe und zwei Staatsoberhäupter: Bundespräsident Joachim Gauck und sein polnischer Amtskollege Bronislaw Komorowski eröffnen in Polen ein berühmtes Musikfestival. Statt im Schlamm – wie so oft die Fans – baden sie begeistert in der Menge.

"Ich glaube es nicht", ruft Joachim Gauck. Der Bundespräsident blickt herab auf Zehntausende jubelnde Menschen. Die jungen Leute warten auf die Musiker, aber zuerst dürfen Gauck und sein polnischer Amtskollege Bronislaw Komorowski auf die Bühne. Dort stehen sie in der Hitze mit Anzügen, weißen Hemden und ohne Schlips, vor ihnen eine wogende Masse leicht bekleideter Menschen, die Transparente und Fahnen schwenken. Es ist wieder soweit: In der polnischen Grenzstadt Kostrzyn steigt das dreitägige Festival "Haltestelle Woodstock", in diesem Jahr mit zwei Staatsoberhäuptern.

Es ist ein idealer Ort für das Lebensthema des Bundespräsidenten: die Freiheit. Bei "Przystanek Woodstock" – so der polnische Name – geht es um den Geist des legendären Musikfestes "Woodstock", das 1969 in den USA die Menschen bewegte, inklusive Freiheit, Liebe und Frieden. Gauck und Komorowski treffen sich vor Beginn des Festivals nahe der deutschen Grenze auf einem ehemaligen Militärgelände mit Hunderten Besuchern zu einer Podiumsdiskussion. Die Musikfans sitzen und liegen auf dem Holzfußboden. Männer mit nackten Oberkörpern, Frauen in Bikinioberteilen – ein eher ungewohntes Ambiente für Politiker.

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Doch sie zeigen keinerlei Berührungsängste. Zwei Festivalbesucher sitzen zwischen Gauck und Komorowski auf einem Sofa, nach mehr als einer Stunde bahnen sich die Politiker einen Weg durch die Musikfans. Es ist ein Bad in der Menge. Ein Schlammbad lassen sich die Staatsoberhäupter, anders als viele Besucher, allerdings entgehen.

Es dauert nicht lang, da führt Gauck sein Lieblingswort im Mund. Er sagt, er bewundere das polnische Volk für seine Liebe zur Freiheit, die Nachbarn lebten in einem Heimatland der Freiheit. Mit Blick auf die große Spendenaktion für polnische Kinderkrankenhäuser, für die mit dem kostenlosen Festival gedankt wird, sagt Gauck, dass mit Freiheit auch immer Verantwortung verbunden sein sollte. Wie Komorowski würdigt er die deutsch-polnische Freundschaft und den Mut der Menschen, die in den 1980er Jahren für politische Veränderungen eintraten.

Die Politiker stellen sich den Fragen des jungen Publikums. Eine Frau kritisiert Komorowskis Liebe zur Jagd, ein Mann lobt die Einrichtung der "Gauck-Behörde". Dass die Stasi-Unterlagen-Behörde eingerichtet wurde, begründet Gauck mit der Vergangenheit Deutschlands – anders als nach dem Zweiten Weltkrieg hätten viele Menschen nach 1989 keinen Schlussstrich ziehen wollen. "Haltestelle Woodstock" hat gerade erst begonnen, Schluss ist Samstag. "Ich hatte keine Ahnung, was das eigentlich ist", bekennt Gauck. Das Spektakel gilt als das größte nichtkommerzielle Open-Air-Festival Europas. "Ich bin total begeistert", sagt der Mann aus Bellevue.

Autor: Leticia Witte (dpa)