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10. März 2009

Mit "Wums" nach Europa

Die Grünen setzten im Europa-Wahlkampf auf den Aha-Effekt.

BERLIN. Was ist eigentlich Wums? Diese Frage werden sich in den nächsten Monaten wohl viele Bürger stellen, wenn sie im Straßenbild eine Plakatwerbung sehen. Geht es um die Wum, einen Volksstamm, der im afrikanischen Kamerun zu Hause ist? Oder um Wum, den niedlichen kleinen Hund, der einst neben dem Elefanten Wendelin – die Älteren werden sich erinnern – in Wim Thoelkes Fernsehsendung "Der große Preis" auftauchte?

Nein. Wums hat nichts mit Menschen im fernen Afrika oder unterhaltsamen Abenden auf der Wohnzimmercouch zu tun. Wums ist der Slogan, mit dem die Grünen und ihre Spitzenkandidaten Rebecca Harms und Reinhard Bütikofer in den Wahlkampf zur Europawahl am 7. Juni ziehen werden. Das Kürzel steht für "Wirtschaft und Umwelt, menschlich, sozial".

Nun ist es keineswegs so, dass nur Wums auf den Plakaten steht. Vielmehr hat die Werbeagentur der Grünen Wums mit Zielen kombiniert: "Europa klar machen – mit Wums", lautet einer. "Wir machen Europa klar – mit Wums" ein anderer Slogan.

Dass diese Werbung etwas ungewöhnlich ist, räumt der Chef der Grünen in Schleswig-Holstein, Robert Habeck, durchaus ein. Als er sie zum ersten Mal gesehen habe, sei er verwundert gewesen. Das habe sich völlig verändert: "Jetzt bin ich richtig begeistert." Dass die Plakate zunächst irritierten, sei Absicht. "Das macht auf uns aufmerksam. Die Leute wollen dann wissen, was Wums eigentlich bedeutet."

Werbung


Ob das Wums viele Wähler überzeugt, wird sich am 7. Juni zeigen. Klar ist nur, dass viele Grüne mit einem gewissen Bangen auf den Wahltag schauen. Denn vor fünf Jahren erzielte die Öko-Partei mit 11,9 Prozent der Stimmen ein Traumergebnis. Im Land Berlin lagen die Grünen damals sogar vor der SPD, die 2004 wegen der Verärgerung vieler Bürger über die Hartz-IV-Reform bundesweit auf kümmerliche 21,5 Prozent abstürzte.

Ein schwaches Abschneiden wäre ein schlechtes Omen fürs Superwahljahr

Schneiden die Grünen bei der kommenden Europawahl schwächer ab, wäre das kein gutes Omen für den Rest des Superwahljahrs. Am 30. August stehen im Saarland, in Sachsen und in Thüringen Landtagswahlen an. Alle drei Länder sind nicht gerade Hochburgen der Öko-Partei. Vor fünf Jahren schafften die Grünen nur knapp den Sprung in die Landtage von Dresden und Saarbrücken. In Thüringen verfehlten sie die Fünf-Prozent-Marke deutlich.

Sollte die Partei bei der Europawahl und den folgenden Wahlen in den Ländern einen Rückschlag erleiden, würde es fraglos nicht einfacher, am 27. September bei der Bundestagswahl das gute Ergebnis von 2005 – damals wählten 8,1 Prozent der Bürger Grün – wieder zu erreichen oder gar zu übertreffen.

Autor: Bernhard Walker