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18. Dezember 2010 12:21 Uhr

Spendenzeit

Gute Taten und miese Geschäfte

Weihnachtszeit ist auch Spendenzeit: Viele Menschen wollen anderen helfen. Doch unter den Sammelorganisationen gibt es auch unseriöse. Spenden zu erschwindeln, ist leichter geworden. Wer spenden will, sollte sich nicht unter Druck setzen lassen.

  1. Viele Spendensammler wollen wirklich Gutes tun. Doch die Branche kennt leider auch einige schwarze Schafe. Foto: dpa

Die Namen der Organisationen klingen recht seriös: Ghandi Hunger Fonds, VFK Krebsforschung, St. Josefs Indianer Hilfswerk, Medical Mission International. Doch das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) warnt vor ihnen. Einige dieser Spendensammler hätten ihre Werbung "unangemessen gefühlsbetont und in hohem Maß bedrängend" gestaltet – ein typisches Zeichen von Unseriosität. Trotz mehrfacher Bitte seien keine Unterlagen wie Gemeinnützigkeitsbestätigungen und Finanzberichte vorgelegt worden. Zahlreiche Spender hätten sich inzwischen über diese Organisationen beschwert, so das Spendeninstitut.

In der Vorweihnachtszeit nimmt die Zahl der Spendenaufrufe zu, in Fußgängerzonen stehen Sammler mit Spendenbüchsen, in den Briefkästen landen Bittbriefe. Nicht alle Spendensammler wollen wirklich Gutes tun: Manche sind einfach nur Betrüger, die mit dem Geld ihr eigenes Konto füllen. So warnt das DZI unter anderem vor dem Menschenrechtsverein für Migranten, der zum Umfeld der militanten iranischen Opposition der Volksmudschaheddin gehören soll. In der Kritik stehen auch fünf Vereine, die sich nach eigenen Angaben für Kinder engagieren – etwa das Children’s Network International, das Mutter Teresa Kinderhilfswerk und das Förderwerk für Kinder weltweit. Was diese Spendensammler wirklich mit dem Geld machen, bleibe rätselhaft.

Werbung


Die Deutschen spenden gerne. Jährlich kommen private Geldspenden in einer Höhe von mehr als zwei Milliarden Euro zusammen. Doch Spendenweltmeister sind die Deutschen nicht: Sie liegen beim Spendenverhalten im Ländervergleich im mittleren Bereich. Die Spenderquote liegt etwa bei einem Drittel der Bevölkerung, in vielen anderen Ländern liegt sie deutlich über der Hälfte – etwa in den USA. Die durchschnittliche Pro-Kopf-Spende in Deutschland liegt zwischen 100 und 120 Euro je Spender und Jahr. Das DZI vergibt in Deutschland ein Spendensiegel an Organisationen, die transparent arbeiten, ihre Bilanzen offenlegen und nicht mehr als 35 Prozent ihrer Spendeneinnahmen für Werbung und Verwaltung ausgeben. Das Siegel hilft, wenn man spenden will: Denn viele Bürger sind durch die Fülle der Spendenaufrufe überfordert.

Es gibt in Deutschland insgesamt 600 000 gemeinnützige Vereine und 18 000 Stiftungen. Schätzungsweise 2000 bis 3000 von diesen sammeln überregional Spenden. Vor den schwarzen Schafen darunter kann das DZI nur warnen, verbieten kann es sie nicht.

Wer spenden will, der kann sich informieren – etwa im Internet. Stefan Loipfinger hat es sich zur Aufgabe gemacht, dubiosen Organisationen auf die Schliche zu kommen. Lange wunderte er sich, dass viele spendensammelnde Vereine kaum Auskunft geben über sich und darüber, was mit dem Geld genau passiert.

Spielen mit den Emotionen

Der Bayer stellt seit 2008 Informationen über dubiose Spendensammler unter charitywatch.de ins Internet und warnt dort auch vor einigen Sammlern, die angeblich zum Wohle der Tiere Geld erbetteln: Vereine wie die Tierschutzliga, Tiere in Not und Abandonner Tierschutzverein gehörten laut Loipfinger einem "zweifelhaften Tierschutzkonglomerat" an. Beim Tierschutz werde in Sachen Spenden mit am stärksten betrogen, sagt er. Aber auch bei Aktionen für Kinder tummelten sich Betrüger, denn da lasse sich gut mit Emotionen spielen.

Loipfinger stellte durch seine Recherchen fest, dass verstärkt "Leute aus dem halbkriminellen Milieu" die Spendenbranche fürs Geschäftemachen entdecken. Er erzählt von einem Betreiber von Sexseiten im Internet. Als dieser damit keinen Erfolg mehr hatte, sammelte er Spenden – angeblich für Behinderte. "Mit dem Geld kaufte er sich dann ein S-Klasse-Auto und lebte gut." Das Erschwindeln von Spendengeld werde zu leicht gemacht, sagt Loipfinger. Er fordert ein Gesetz, das Vereine verpflichtet, ab einer bestimmten Größenordnung die Finanzzahlen öffentlich zu machen.

In der Tat findet im Spendenwesen in Deutschland nur wenig Kontrolle statt: Wer sammeln will, der darf. Die meisten Bundesländer haben ihre Sammlungsgesetze abgeschafft – weil man Bürokratie abbauen wollte. Nur noch Rheinland-Pfalz setzt sein Sammlungsgesetz um und ermittelt dubiose Spendensammler. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Trier spricht Jahr für Jahr einigen Organisationen Sammlungsverbote aus. Doch die gelten nur in Rheinland-Pfalz. Die Betrüger können dann ungehindert in den anderen Bundesländern weitersammeln.

Tipps im Internet

Informationen über seriöse und unseriöse Spenden sammelnde Organisationen finden sich im Internet:

Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen: http://www.dzi.de; Informationsportal http://www.charitywatch.de; Lobbyorganisation der Spendenorganisationen: http://www.spendenrat.de



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Autor: Michael Neubauer