HINTERGRUND

dpa

Von dpa

Di, 12. Februar 2019

Deutschland

Wie "AKK" zur Sozialdemokratin wurde

Die Granden der SPD hatten es sich nach dem ersten Tag ihrer Klausur gerade in einem Braugasthaus gemütlich gemacht, als eine besondere Nachricht die Runde machte. Nein, kein neuer Seitenhieb von Sigmar Gabriel oder Gerhard Schröder. Sondern eine ungewöhnliche Begrüßung von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer vier Kilometer entfernt im Adenauer-Haus. Zum Auftakt des "Werkstattgesprächs" ihrer Partei sagte sie: "Ich freue mich insbesondere, dass wir dies nicht nur als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten heute Abend hier unter uns tun, sondern dass wir dies gemeinsam mit Freundinnen und Freunden der CSU tun."

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) fragte im Brauhaus: "Das hat sie nicht wirklich gesagt?" Er musste es erst mit eigenen Augen ablesen. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil monierte, die Anrede sei nicht korrekt gewesen, bei der SPD redet man sich eher nicht mit "liebe Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten" an. Er korrigierte "AKK" via Twitter, er habe da einen Tipp für die Zukunft: "Das heißt ’Liebe Genossinnen und Genossen!’ – Solidarische Grüße". Eine Genossin meinte mit Blick auf die zuvor beschlossene Abkehr vom bisherigen Hartz-IV-System: "Es gibt Tage, da läuft es halt". Kramp-Karrenbauer hatte Gelächter geerntet und laut Welt gleich gekontert, ihr Versprecher habe "etwas damit zu tun, dass die Sozialdemokraten zurzeit gerade dabei sind, ein großes Trauma ihrer Partei, nämlich das Thema Hartz IV aufzuarbeiten. Insofern: Schöne Grüße an die Sozialdemokraten, die an anderer Stelle tagen."