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05. August 2009
Bundestagswahl
Horst Schlämmer: "Vier Millionen Arbeitsplätze schaffe ich nicht"
Wie austauschbar sind Politiker? Horst Schlämmer alias Hape Kerkeling gibt seine Antwort als Kanzlerkandidat
Deutschland nach dem 27. September: Solarien sind gratis für alle, die Schweinegrippe ist verboten, Grevenbroich ist Hauptstadt. So jedenfalls stellt sich das Horst Schlämmer vor, sofern er denn Bundeskanzler wird. Und warum sollte das nicht klappen? Immerhin hat dieser Mann in Deutschland die Herrenhandtasche wieder salonfähig gemacht.
Überzeugend kann er also sein. Und ein Wahlprogramm, das sich nicht wesentlich von denen anderer Parteien unterscheidet, hat er auch: Die Horst-Schlämmer-Partei steht für Gerechtigkeit. Wir sind konservativ, liberal und links. Ja, es ist Superwahljahr, es ist Krise, und es ist alles überhaupt nicht lustig.
Nie war das Land mental weiter entfernt von der Leichtigkeit des Sommers 2006. Und nie hat ein Wahlkampf versprochen, langweiliger zu werden. Sonst ist auch nichts los: Die Dienstwagen der Politiker sind in der Garage, Herr Schreiber ist ebenfalls eingefahren, das AKW Krümmel bleibt abgeschaltet.
Die Politik steckt im Motivationsloch. Ein Lichtblick müsste her. Vielleicht sitzen deshalb an diesem Dienstagmorgen ungefähr 200 Journalisten im Ballsaal eines Berliner Luxushotels und warten. 30 Fernsehkameras sind aufgebaut, zwei Nachrichtensender übertragen live. Denn: Hier sitzt Horst Schlämmer, jener Endvierziger mit Überbiss, der manchmal ein bisschen aussieht wie Uschi Blum und manchmal ziemlich genau wie Königin Beatrix und ganz selten wie der Komiker Hape Kerkeling. Und dieser Herr gibt soeben seine Kanzlerkandidatur bekannt.
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Der ehemalige stellvertretende Chefredakteur des Grevenbroicher Tageblatts hat diesen Wunsch neulich ganz instinktiv verspürt: "Isch will noch mal aufs Ganze gehen." Denn: "Wat die anderen nisch können, dat kann ich auch."
Es mag ja sein, dass diese Bundespressekonferenz in Wirklichkeit ein Trick ist, eine ganz hinterlistige Werbung für den neuen Kinofilm mit dem Titel "Horst Schlämmer – isch kandidiere." Es mag auch sein, dass diesem Film voller echter Politiker, Schauspieler und Komiker noch ein paar Szenen mit echten Journalisten fehlen, die hier gerade gedreht werden. Und es mag auch sein, dass dieser Herr hier alles andere als echt ist. Man wünscht sich aber, er wär’s doch.
Wenn Politik schon nichts bringt, dann könnte sie wenigstens lustig sein. Andererseits muss man auch ganz ernsthaft sagen: das Wahlprogramm der HSP enthält realistische Ziele. "Ich verspreche Ihnen, dass ich vier Millionen Arbeitsplätze nicht schaffen werde!"
Auch die Sache mit Grevenbroich als Hauptstadt bietet unbestreitbar Vorteile: "Isch schlaf gern zu Hause", sagt der Kandidat. Und: "Wenn dann G 8 oder G 20 is: Grevenbroich ist so überschaubar, dat kann isch allein absperren."
Bei anderen wichtigen Themen lässt sich Schlämmer nicht von kritischen Journalistenfragen in die Ecke drängen: "Nein, bei der Schweinegrippe bin ich kompromisslos", sagt er und tendiert dabei zur Schnappatmung. "Nicht mit uns." Ein gutes Wahlprogramm jedenfalls zeichnet sich vor allem durch eine Eigenschaft aus: "Bei uns is alles mit drin." Ein bisschen Ökologie natürlich, Familienpolitik sowieso. Schließlich: "Intrigation ist das A und O – das sagen alle, und deswegen sage ich es auch." Denn: "Ich bin ja selber Intrigant. Ich komme gar nicht aus Grevenbroich, sondern aus Korschenbroich."
Eine schöne Idee ist ein Grundeinkommen in Höhe von 2500 für jeden. Keine Ahnung, wie das finanziert wird, aber: "Erst mal fordern." Für die Krise, da ist Schlämmer grundehrlich, hat er keine Lösung. Weshalb er dazu tendiert, das Wirtschaftsministerium an die Linkspartei zu geben. "Das klappt dann nicht, und ich sag sorry, ich war’s nicht."
Ist sowieso egal, wiedergewählt werden will er nicht: "Ich habe Rücken, Kreislauf und manchmal auch Gedächtnis. Machen wir uns nichts vor: Länger als vier Jahre halt ich das nicht durch." Wer sich Sorgen um die Gesinnung dieses Mannes macht, der kann jedenfalls beruhigt sein: "Wenn ich Kanzler werde, bleibt das Land eine Demografie." Gewählt wird dann vom 20. August an im Kino.
Autor: Katja Bauer
