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30. Januar 2012 00:01 Uhr
Bundespräsidialamt
Justiz durchsucht Glaesekers Büro
Erstmals hat die Justiz direkt im Amt von Bundespräsident Christian Wulff ermittelt. Durchsucht wurde das ehemalige Büro seines langjährigen Sprechers Olaf Glaesker.
"Wir haben Unterlagen und Computerdateien beschlagnahmt, die jetzt ausgewertet werden müssen", bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover der "Bild am Sonntag" (BamS) .
Die Behörde ermittelt im Zusammenhang mit der Lobby-Veranstaltung Nord-Süd-Dialog vor einigen Jahren in Niedersachsen wegen Verdachts der Bestechlichkeit gegen den Vertrauten Wulffs, der im Dezember von seinen Aufgaben entbunden worden war. Der Anfangsverdacht habe sich konkretisiert, sagte der Sprecher. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits am 19. Januar Privat- und Geschäftsräume von Glaeseker in Niedersachsen durchsucht.
Ungeachtet neuer Details in der Affäre um Wulff in seiner Zeit als Ministerpräsident in Hannover stützt Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den Bundespräsidenten weiter. "Unser Bundespräsident wird viele weitere wichtige Akzente für unser Land und unser Zusammenleben setzen", sagte Merkel ebenfalls der BamS.
Die SPD wertete die Durchsuchungsaktion am vergangenen Donnerstag als beispiellosen Vorgang. "Es ist unglaublich, dass wir inzwischen Durchsuchungsvorgänge im Bundespräsidialamt haben", sagte Parteivorsitzender Sigmar Gabriel. Das sei ein noch vor Monaten für undenkbar gehaltener Tiefpunkt. "Es steckt offensichtlich ein System dahinter, es ist der Versuch unternommen worden, sich ein Land wie Niedersachsen zur Beute zu machen", sagte Gabriel. Er könne sich nicht vorstellen, dass Wulff als niedersächsischer Ministerpräsident von den Aktionen Glaesekers nichts mitbekommen habe.
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Die Staatsanwaltschaft prüft, ob der 50-jährige Glaeseker in seiner Zeit als niedersächsischer Regierungssprecher unter dem damaligen Ministerpräsidenten Wulff den Veranstaltungsmanager Manfred Schmidt "gefällig gefördert" hat, wie es in der Amtssprache heißt. Glaeseker soll mehrere kostenlose Urlaube in Feriendomizilen Schmidts verbracht haben. Gegen Schmidt, der den Nord-Süd-Dialog organisiert hatte, wird wegen Verdachts der Bestechung ermittelt.
Schmidt räumte dem Spiegel zufolge ein, dass ihm die niedersächsische Staatskanzlei bei der Suche nach Geldgebern für den Nord-Süd-Dialog half. "Es müssen ja mal Kontakte hergestellt werden, wenn so etwas von der Wirtschaft finanziert werden soll", sagte er. Den Vorwurf, Glaeseker bestochen zu haben, wies Schmidt zurück. Er sei seit 30 Jahren mit dem früheren Journalisten befreundet. In dieser Zeit hätten sich beide gegenseitig zu Urlauben eingeladen.
Autor: dpa
