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17. August 2010

Keine Kaderschmiede

Katholische Journalistenschule ifp weiter in der Kritik.

Die Debatte um die Vorgänge an der katholischen Journalistenschule ifp weitet sich aus. Als "fatales Signal für die Gesprächskultur in der Kirche" wertete die Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands (GKP) den Rücktritt des Geistlichen Direktors der Einrichtung, Michael Broch. Broch hatte im Mai in einem Zeitungsinterview mit papstkritischen Äußerungen für Aufsehen gesorgt. Er kritisierte in einem Zeitungsinterview unter anderem die katholische Sexualmoral. Wenig später entschuldigte er sich dafür. Auch der Deutsche Journalistenverband (DJV) und katholische Laienvertreter reagierten empört.

Medienbischof Gebhard Fürst bedauerte den Schritt Brochs. Er, Fürst, habe jedoch keine andere Möglichkeit als einen Rücktritt gesehen. Zugleich sprach er sich dafür aus, unverzüglich die Suche nach einem qualifizierten Nachfolger zu beginnen. Er wolle aber den Beratungen des Ständigen Rates der Bischofskonferenz in der kommenden Woche nicht vorgreifen.

"Es kann nicht angehen, dass eine Journalistenschule, die anerkannt ist und eine hochwertige Ausbildung macht, handstreichartig zur katholischen Kaderschmiede umfunktioniert wird", sagte DJV-Sprecher Hendrik Zörner der Frankfurter Rundschau. Die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Karin Kortmann, warf den Bischöfen inkonsequentes Verhalten vor. Im Zuge der Missbrauchsdebatte hätten sie zu mehr Transparenz und Kritik aufgerufen. Jetzt sollten sie "die Größe haben, sich inhaltlich mit der Kritik von Pfarrer Broch auseinanderzusetzen".

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Ähnlich äußerte sich die GKP. Auch der Direktor einer von den Bischöfen getragenen Einrichtung müsse sein Recht auf freie Meinungsäußerung wahrnehmen können, "selbst wenn sie unbequem für die Kirche ist". Dies gelte umso mehr, als das ifp eine Stätte für die Aus- und Weiterbildung professioneller, unabhängiger Journalisten sei. Es stehe zu befürchten, dass durch den Fall Broch das Ansehen der Journalistenschule Schaden nehme.

Als weiteres "Alarmsignal" wertete der Publizistenverband den Rücktritt des ifp-Aufsichtsratsvorsitzenden Bernhard Hermann und seines Stellvertreters Hermann Glandorf. Beide hatten am Wochenende ihre Entscheidung bekanntgegeben. Mit dem Schritt habe man ein Signal setzen wollen, so SWR-Hörfunkdirektor Hermann. Der Rücktritt Brochs und dessen Umstände hätten den Aufsichtsrat "tief verärgert" und Vertrauen in die Zusammenarbeit mit den Bischöfen zerstört. Aus der Journalistenschule ifp sind seit 1968 rund 2000 Absolventen hervorgegangen, die in zahlreichen Medien in Deutschland tätig sind.

Autor: KNA