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30. April 2010

Machtkampf an der Odenwaldschule

Sprecher tritt zurück.

FREIBURG. Bis Mittwoch hat Philipp Sturz gewartet. Dann hat der Zahnarzt aus Augsburg seine Ankündigung wahr gemacht: Der neue Sprecher des Trägervereins der Odenwaldschule ist mitten in der Aufarbeitung des Missbrauchskandals zurückgetreten. Es geht um mehr als eine Personalie. Dem ohnehin schon ramponierten Ruf der einstigen Vorzeigeschule drohen weitere Kratzer. Sturz hatte gefordert, dass jene acht Mitglieder des Trägervereins, die während des jahrelang verschleppten Missbrauchskandals Verantwortung an der Schule trugen, zurücktreten müssen. "Nur so ist ein Neuanfang möglich." Fünf der acht betroffenen Mitglieder waren bis 27. März noch im Vorstand der Odenwaldschule, die den Schulleiter und den Geschäftsführer bestimmt. Aufgrund des öffentlichen Drucks traten sie zurück, wollten aber keine Fehler erkennen.

Skandal hat auch wirtschaftliche Folgen für das Internat

Stattdessen sprachen sie von Hexenjagd und Kampagne. Vor allem sitzen sie weiter im 30-köpfigen Vorstand, der Ende Mai über die Zusammensetzung des künftigen Vorstands entscheiden soll. Die Fraktion der Aufklärer wirft der Gruppe um Renate Richter-Ellermann und Peter Conradi vor, dass sie Hinweisen auf sexuellen Missbrauch durch Lehrer nicht nachgegangen seien. Der Ruf der Schule sei ihnen wichtiger gewesen.

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Der Machtkampf an der Unesco-Modellschule im südhessischen Heppenheim wird für das Internat wirtschaftliche Folgen haben. Der Kreis Heppenheim schickt bis auf weiteres keine Kinder mehr im Rahmen der Jugendhilfe auf die Schule. Dieser Linie sollen sich auch andere Jugendämter anschließen. Derzeit kommt ein Drittel der 220 Schüler über die Jugendhilfe an die Odenwaldschule; ein Internatsplatz kostet 2220 Euro im Monat. Die Odenwaldschule geht derzeit von 40 Missbrauchsopfern in den Jahren 1966 bis 1991 aus. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zwölf ehemalige Lehrer, die Fälle gelten aber als verjährt.

Autor: Petra Kistler