"Müssen permanent am Ball bleiben"

dpa

Von dpa

Mi, 14. Februar 2018

Deutschland

INTERVIEW mit dem GSG-9-Chef Jerome Fuchs über den Kampf seiner Spezialeinheit gegen den islamistischen Terror.

BERLIN. Die GSG 9 wird gerufen, wenn Kriminelle mit Waffen und Sprengstoff drohen, wenn das Leben von Geiseln auf dem Spiel steht. Die Spezialeinheit der Bundespolizei erhält nun neben ihrem Sitz in Sankt Augustin bei Bonn einen zweiten Standort bei Berlin – um schneller auch auf islamistische Bedrohungen reagieren zu können. Die Deutschen Presse-Agentur sprach mit dem Kommandeur der Spezialeinheit, Jerome Fuchs.

BZ: Die GSG 9 hatte jahrzehntelang mit Geiselnehmern und "gewöhnlichen" Schwerkriminellen zu tun. Ist man gewappnet für den islamistischen Terror?
Fuchs: Selbstverständlich sind wir bereit, uns dieser Herausforderung zu stellen und da auch unser Bestes zu geben. Wir müssen permanent am Ball bleiben, trainieren und uns austauschen mit anderen Einheiten, die vergleichbare Lagen schon bewältigt haben, und von deren Erfahrung lernen. Ich würde niemals sagen, wir sind da jetzt bei hundert Prozent. Aber wir versuchen, uns bestmöglich für diese Lagen aufzustellen.
BZ: Hätte die GSG 9 beim Anschlag auf den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz Schlimmeres verhindern können? Zivilisten retten, den Attentäter aus dem Verkehr ziehen?

Fuchs: Mit Sicherheit hätten wir Möglichkeiten gehabt, wenn wir rechtzeitig vor Ort gewesen wären. Möglichkeiten, die über die Möglichkeiten eines Streifenbeamten, der mit dieser Situation konfrontiert ist, hinausgehen. Das ist keine Frage. Ob wir alles hätten verhindern können, ist reine Spekulation und wäre hier völlig fehl am Platz.

BZ: Sie wollen Ihr Personal um ein Drittel aufstocken. Wieso tun Sie sich so schwer damit, Nachwuchs zu finden?

Fuchs: Es liegt zum einen daran, dass wir die Anforderungen nicht senken. Das heißt, wir haben unsere Standards und die müssen die Bewerber bewältigen. Zum anderen gibt es auch innerhalb der Bundespolizei unendlich viele interessante Bereiche. Und wenn jemand was Spezielles machen möchte, dann bieten sich heute andere Möglichkeiten, als es vielleicht noch vor zehn, 15 Jahren der Fall war. Insofern ist das auch so ein bisschen Konkurrenz im eigenen Haus um die besten Bewerber.

BZ: Der Terror kennt keine Grenzen. Kann man damit als nationale Spezialeinheit noch alleine fertig werden?

Fuchs: Da sind sicher Grenzen gesetzt. Aber aus dem Grund ist ja die GSG 9 sehr gut international vernetzt. Da gibt es zum einen europaweit den sogenannten Atlas-Verbund (Kooperation von Spezialeinheiten der EU, Anmerkung der Redaktion), darüber hinaus kooperieren wir mit den weltbesten Spezialeinheiten, beispielsweise US-amerikanischen Einheiten oder auch polizeilichen Spezialeinheiten aus Israel. Insofern sehen wir das als eine Gemeinschaftsaufgabe an.

BZ: Wieso gibt es in der GSG 9 keine Frauen?

Fuchs: Wir haben auch Frauen, allerdings nicht im unmittelbar operativen Bereich der Einsatzeinheiten. Die Anforderungen für Frauen im körperlichen Bereich sind die gleichen wie für Männer. Wir hatten aber auch die letzten Jahre keinerlei Frauen als Bewerberinnen bei der GSG 9.

Jerome Fuchs kommt aus Karlsruhe und gehört seit mehr als 20 Jahren zur GSG 9. Seit 2014 steht er als Kommandeur an deren Spitze. Die Spezialeinheit wurde 1977 mit dem spektakulären Einsatz bei der Entführung der Lufthansa-Maschine Landshut im somalischen Mogadischu berühmt.