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22. September 2017

Berlin/Stuttgart

Tenure-Track-Stellen sollen den Weg zum Hochschulprofessor vereinfachen

In Baden-Württemberg können mit Geld vom Bund 65 Tenure-Track-Professuren eingerichtet werden, davon zwölf in Freiburg.

  1. In jungen Jahren schon Professur – das soll der Weg des Tenure Track ermöglichen. Foto: dpa

BERLIN/STUTTGART. Bund und Länder wollen den bisher langwierigen und risikoreichen Karriereweg zu einer Hochschulprofessur vereinfachen – durch sogenannte Tenure-Track-Stellen, über die qualifizierte Nachwuchswissenschaftler nach der Promotion binnen sechs Jahren eine Lebenszeitprofessur erreichen können, ohne sich erneut bewerben zu müssen.

Dazu wurde ein Programm aufgelegt, das der Bund mit einer Milliarde Euro ausgestattet hat. In zwei Wettbewerbsrunden werden 1000 neue Stellen unter den Universitäten verteilt, was einem deutlichen Ausbau der Lehre gleichkommt. Die Länder haben sich verpflichtet, die Professuren nach dem Auslaufen der Anschubfinanzierung aus dem eigenen Etat zu bezahlen.

Am Donnerstag wurden die Ergebnisse der ersten Bewilligungsrunde durch die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern bekanntgegeben. Verteilt wurden bundesweit 468 Stellen, davon gehen 65 an Baden-Württemberg: je zwölf an die Universitäten Freiburg, Tübingen und Stuttgart, elf an Heidelberg, neun an Karlsruhe, sechs an Konstanz und drei an Hohenheim. Um die Stellen einrichten zu können, erhalten die Hochschule jeweils 118 000 Euro, und zwar sechs, in begründeten Fällen acht Jahre lang. Am Ende steht eine Evaluation, also eine Beurteilung der Leistungen. Ist sie erfolgreich, schließt sich die automatische Beförderung auf eine unbefristete und besser bezahlte Professur an – ohne dass der Weg über eine Habilitation nötig wäre.

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Universitäten und Politik versprechen sich davon eine gesteigerte Attraktivität wissenschaftlicher Laufbahnen, in denen heute oft bis übers 40. Lebensjahr hinaus Ungewissheit herrscht, ob je eine Dauerstelle im Wissenschaftsbetrieb erreicht werden kann. Deshalb besteht die Befürchtung, die vielzitierten "besten Köpfe" könnten wegen schlechter Aufstiegschancen in die Wirtschaft abwandern. Der Tenure Track, eine Einrichtung des angloamerikanischen Hochschulsystems, bedeutet gleichsam einen verlässlichen "Weg zur Festanstellung", wie sich der englische Begriff übersetzen lässt.

Die Technische Universität München und die Universität Köln sind mit 40 beziehungsweise 27 Tenure-Track-Professuren deutlich stärker aus der ersten Wettbewerbsrunde hervorgegangen als Baden-Württembergs Hochschulen. Dennoch ist Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) zufrieden – "Baden-Württemberg sei das einzige Land, bei dem die Anträge aller antragstellenden Universitäten bewilligt wurden".

Freiburgs Universitätsrektor Hans-Jochen Schiewer sieht seine Hochschule auf ihrem bisherigen Kurs bestätigt. Denn sie arbeitet schon seit 2009 mit diesem Karrieremodell. Er erhofft sich, so junge Forscherinnen und Forscher an die Universität binden zu können. Unzufrieden ist allein die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW): 1000 neue Tenure-Track-Professuren seien gut, erklärte sie in einer Stellungnahme. Doch die Universitäten bräuchten 5000 solche zusätzlichen Stellen – und dazu weitere 40 000 Dauerstellen im akademischen Mittelbau, um für junge Wissenschaftler ausreichend Karrierewege zu eröffnen.

Autor: Wulf Rüskamp