Umfrage

Nur 42 Prozent der Ostdeutschen von Demokratie überzeugt

dpa

Von dpa

Mi, 23. Januar 2019 um 13:42 Uhr

Deutschland

30 Prozent der Befragten halten die Marktwirtschaft für das beste Wirtschaftssystem. Angesichts dreier Landtagswahlen zeigte Bundeskanzlerin Angela Merkel Verständnis für die Wut im Osten.

Die Menschen in Ostdeutschland stehen der Demokratie einer Umfrage zufolge deutlich skeptischer gegenüber als Westdeutsche. Lediglich 42 Prozent der Befragten gaben bei einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" an, dass die in Deutschland gelebte Demokratie die beste Staatsform sei. In Westdeutschland meinten dies hingegen 77 Prozent der Befragten.

Auch das Wirtschaftssystem wird in Ost und West sehr unterschiedlich beurteilt. In Westdeutschland meinten 48 Prozent der Befragten, es gebe kein besseres System als die Marktwirtschaft. In Ostdeutschland waren lediglich 30 Prozent dieser Auffassung. Befragt wurden laut Zeitung vom 5. bis 17. Januar 1249 Menschen.

Merkel zeigt Verständnis für Wut vieler Ostdeutscher

Bundeskanzlerin Angela Merkel kann die Unzufriedenheit und die Wut vieler Menschen in Ostdeutschland nachvollziehen. "Ich finde es nicht so verwunderlich, dass es in Ostdeutschland Frustrationen gibt", sagte Merkel (CDU) der Wochenzeitung "Die Zeit". Mit Blick auf die im Herbst anstehenden drei Landtagswahlen in Ostdeutschland, wo Erfolge der rechtspopulistischen AfD erwartet werden, sprach Merkel von einer großen politischen Herausforderung. Sie tue sich aber schwer, "zu sagen, das Land sei so gespalten wie nie zuvor. Das Land war vielleicht nie so versöhnt, wie man dachte."

In Ostdeutschland gebe es noch einige große strukturelle Probleme, sagte Merkel. "Hoffnungen, die Angleichung werde schnell gehen, sind in einigen Bereichen zerstoben." So seien die Erbschaften und auch die Steuereinnahmen geringer, die Menschen könnten zu wenig Vermögen aufbauen. "Deshalb fragen die Leute jetzt: Wie lange soll es denn noch dauern?" Deswegen sei es eine herausragende Aufgabe von Politik, gleichwertige Lebensverhältnisse herzustellen.

Drei Landtagswahlen

In sehr vielen Bereichen seien die Ostdeutschen unterrepräsentiert, sagte Merkel. Darüber hinaus hätten viele Ostdeutsche beispielsweise lange akzeptiert, weniger als Westdeutsche zu verdienen. "Man hat immer darauf gesetzt, dass sich das eines Tages angleicht. Aber wenn man heute noch immer die erheblichen Lohnunterschiede zwischen Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt sieht, dann ärgert das viele."

In diesem Jahr wird gleich in drei ostdeutschen Bundesländern gewählt, in Brandenburg und Sachsen am 1. September, in Thüringen am 27. Oktober. Die AfD hofft in allen drei Ländern auf Ergebnisse von mehr 20 Prozent.