29. April 2009 20:54 Uhr
80. Geburtstag
Prominente Wegbegleiter gratulieren Ralf Dahrendorf
Der deutsch-britische Soziologe, Publizist und Politiker Ralf Dahrendorf feiert am 1. Mai seinen 80. Geburtstag. Prominente Wegbegleiter gratulieren – und verneigen sich vor der Lebensleistung.
Richard Layard, 75, Ökonom, London
Ralf kam, als das Image der London School of Economics (LSE) gerade durch die Studentenrebellion ziemlich mitgenommen war. Aber es machte ihm nichts aus, noch mit den wütend-sten Studenten zu diskutieren. Er ließ sogar Pflastersteine neu verlegen – ideal für Demonstranten. Auch lud er bald führende Leute der Nation in die LSE ein und schaffte es so, sie wieder als ein Zentrum der gesellschaftlichen Debatte zu etablieren.
Fritz Stern, 83, Historiker, Princeton
Er war mit 28, als wir uns in Palo Alto kennenlernten, ein Wunderkind – und ist es geblieben. Wer sonst hat so viele Gebiete beherrscht in Wissenschaft, Politik und als Beobachter, Ratgeber und Aktivist. In allen Phasen seines Lebens war ihm die Sorge um die Möglichkeit menschlicher Freiheit am wichtigsten. Er verkörpert den europäischen und auch angelsächsischen Geist –- und bleibt doch ein Euroskeptiker. Seine Freundschaft ist für mich lebensbereichernd. Er bleibt ein Vorbild schaffender Gelassenheit.
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Ich schätze Dahrendorf als großen politischen Denker, vorzüglichen Interpreten des gesellschaftlichen Wandels und unbeirrbaren Verteidiger der Freiheit des Menschen. Seine Prioritätenliste – 1. Wohlstand schaffen und erhalten, 2. sozialen Zusammenhalt und Solidarität und 3. politische Freiheit und Demokratie – war mir immer Orientierung.
Robert Leicht, 65, Journalist
Er zählt zu den wenigen echten Modernisierern in diesem Land, schon deshalb, weil ihm die Moderne nie eine bloße Mode war. Weil er eine elegante wissenschaftliche Prosa schreibt, welche die Helligkeit des Arguments dem Dunkel des Tiefsinn vorzieht, die das ideologische Raunen scheut und die Bodenständigkeit nie mit Provinzialität verwechselt.
Hildegard Hamm-Brücher, 87, Ministerin a. D.
Dahrendorf ist für mich nicht nur eine gesellschaftspolitische Leitfigur, sondern ein Freund seit 50 Jahren. Seine immer wieder anregenden Vorschläge – zur Erneuerung des Liberalismus, den internationalen Kulturbeziehungen oder zur Demokratisierung der EG – machen seine politische Lebensleistung aus, mit der er sich
um das Aufwachsen einer freiheitlichen Ordnung nach Krieg und Diktaturen große und bleibende Verdienste erworben hat.
Jürgen Rüttgers, 57, Ministerpräsident
Dahrendorf steht für eine Verantwortungselite, wie sie unsere Gesellschaft braucht: Er zieht sich nicht in den Elfenbeinturm zurück, sondern widmet sich mit seiner ganzen Kraft, seinem herausragenden Verstand und analytischen Blick den Herausforderungen der Zukunft – zuletzt als Vorsitzender der Zukunftskommission des Landes Nordrhein-Westfalen.
Anthony Giddens, 71, Soziologe, London
Dahrendorf war ein Vorbild für mich an vielen Punkten meiner Laufbahn. Seine Bücher waren Munition für alle, die versuchten, aus der dominanten Sicht der damaligen Soziologie auszubrechen. Er hat es immer wieder geschafft, die politische Debatte jenseits der Akademiegrenzen zu beeinflussen. Als ich ihm in der LSE-Leitung folgte, gab er mir überaus nützlichen Rat. Er widerstand übrigens immer der Versuchung, eine "Schule" zu begründen, Ausdruck seines Liberalismus und seines Willens, jedes Dogma in Frage zu stellen.
- Porträt von Thomas Hauser: Dahrendorf, der Global Denker
Autor: Stefan Hupka






