Sie kennt die Partei am besten

Christopher Ziedler

Von Christopher Ziedler

Do, 06. Dezember 2018

Deutschland

Annegret Kramp-Karrenbauer – vielen ist sie zu konservativ.

Annegret Kramp-Karrenbauer hat die meiste Regierungserfahrung, was für eine spätere Kanzlerkandidatur relevant ist. Im Saarland hat sie als Ministerpräsidentin die Regierung geführt. Sie ist somit die einzige, die die nicht nur die Partei elektrisiert, sondern auch Wahlen gewonnen hat. In der gesamten Anhängerschaft ist sie Umfragen zufolge die Nummer eins des Bewerbertrios.

Sie kennt die Partei am besten. Als neue Generalsekretärin hat die 56-Jährige auf ihrer "Zuhör-Tour" mitbekommen, wo der Schuh drückt – und dass es noch großen Respekt für die Noch-Vorsitzende Angela Merkel und nicht nur das Thema Migration gibt. Wegen ihrer thematischen Breite sind mit Kramp-Karrenbauer ähnlich viele Koalitionsmodelle denkbar wie mit der Kanzlerin.

Den offenen Kommunikationsstil, mit dem sie einen Kontrapunkt zur Merkel-Ära setzen will, hat sie in den zurückliegenden Monaten gelebt. In ihren regelmäßigen Mails an die Mitglieder hat sie schon häufig den richtigen Ton gefunden. Beim Thema Diesel war sie es, die den Schwenk der CDU hin zur Forderung nach von der Autoindustrie bezahlten Hardwarenachrüstungen öffentlich machte.
Vielen in der CDU ist es wichtig, dass es keinen radikalen Bruch mit der Ära Merkel gibt. Dass Kramp-Karrenbauer für einen moderaten Neuanfang steht, ist parteiintern dennoch ihrer größter Nachteil. Weil sie Teil der CDU-Führungsspitze war, die den Kurs der Kanzlerin mittrug, dürfte sie es schwer haben, die Enttäuschten oder zur AfD Abgewanderten zurück zur Union zu holen.

In gesellschaftlichen Fragen ist die Mutter dreier Kinder sehr konservativ. Möglicherweise zu konservativ, um den von der CDU ersehnten Anschluss an urbane Milieus zu schaffen. Ihre Vorstellungen zur gleichgeschlechtlichen Ehe sind heftig umstritten. Ihr Argument, dass dann auch eine Ehe zwischen mehreren Partner oder Geschwistern möglich werde, erzürnte den mit einem Mann verheirateten Gegenkandidaten Jens Spahn.

Die Sorge in der CDU ist groß, dass die Vorsitzendenwahl zu einer tiefen Spaltung der Partei führen könnte. Nicht wenige Christdemokraten glauben, dass diese Gefahr mit Kramp-Karrenbauers am größten wäre, weil sich die durch Merz neu motivierten oder zurückgekehrten Parteigänger dann endgültig verabschieden könnten.