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25. Februar 2009
"Feindbild Juden" mancher Muslime in Deutschland
Nicht nur Rechtsradikale sind antisemitisch / Die Ideologie hat für manche jungen Migranten gemeinschaftsstiftende Funktionen.
BERLIN. Politiker aus Einwandererfamilien beklagen eine wachsende Judenfeindlichkeit unter Muslimen in Deutschland. Am Montagabend hat der türkischstämmige Grünen-Chef Cem Özdemir gemeinsam mit der Amadeu-Antonio-Stiftung eine Broschüre zum Thema vorgestellt. Gestern unterstützten ihn die Bundestagsabgeordneten Omid Nouripour (Grüne), Lale Akgün (SPD) und Hüseyin Kenan Aydin (Linke).
Der Antisemitismus ist kein Problem von vorgestern. Das zeigte eine Anhörung von Experten im Innenausschuss des Bundestags vor einem halben Jahr. Heinz Fromm, der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, sprach von einer "Brückenfunktion der Judenfeindschaft zwischen der Mitte der Gesellschaft und dem Rechtsextremismus". Ein latent antisemitisches Einstellungspotenzial finde sich bei jedem fünften Deutschen. Fromm warnte, man dürfe eine mögliche Kooperation zwischen Rechtsextremisten und Islamisten nicht außer Acht lassen.
Alarmierend, findet Özdemir, sei die Verbreitung antisemitischer Denkweisen bei muslimischen Jugendlichen, und zwar auch bei solchen, die in Deutschland zur Schule gegangen sind. Besonders junge Männer arabischer, türkischer oder kurdischer Herkunft, die auf der Suche nach einer Identität seien, sich in Deutschland aber an den Rand der Gesellschaft gedrängt fühlten, sind laut Özdemir für antisemitische Denkweisen anfällig.
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Mit der Problematik beschäftigt sich eine jetzt veröffentlichte Studie der Amadeu-Antonio-Stiftung. Die Initiative trägt den Namen eines Afrikaners, den Neonazis 1990 in Eberswalde umgebracht haben. Die Studie lenkt den Blick auf den Umstand, dass Antisemitismus kein monolithisches Weltbild ist, das einem einheitlichen Milieu zuzuordnen wäre. In muslimisch geprägten Milieus habe das "Feindbild Juden" für manche die Funktion einer Gemeinschaftsideologie. Allerdings lasse sich "nicht in pauschaler Weise von einem religiösen, also muslimischen Antisemitismus sprechen", sagt die Studie.
Bisher sei "völlig unklar, in welchem Ausmaß antisemitische Vorurteilsbekundungen von muslimischen Jugendlichen vertreten werden", sagt dagegen der Islamwissenschaftler Michael Kiefer. Die Debatte beruhe zu erheblichen Teilen auf Mutmaßungen und Einzelbeobachtungen.
Die Islamische Föderation Berlin erklärt die bekanntgewordenen Fälle mit der aktuellen politischen und militärischen Konfrontation im Nahen Osten. Vizepräsident Burhan Kesici sagte: "Der Antisemitismus unter muslimischen Jugendlichen, oder das, was momentan als solcher dargestellt wird, ist vor dem Hintergrund des israelisch-palästinensischen Konflikts zu sehen. Sie fühlen sich durch den Konflikt persönlich betroffen." Der Antisemitismus in Deutschland sei hingegen historisch gewachsen und richte sich gegen Menschen jüdischen Glaubens.
http://www.amadeu-antonio-stiftung.de
Autor: Armin Käfer und ddp
