Waldschützer gegen Stromkonzern

Elke Silberer

Von Elke Silberer (dpa)

Sa, 15. September 2018

Deutschland

Warum der Hambacher Forst zwischen Köln und Aachen als Symbol des Widerstands gegen die Braunkohle gilt.

Der Konflikt um den Hambacher Forst dauert seit Jahren an. Mit Beginn der Rodungssaison am 1. Oktober könnte der Energiekonzern RWE, dem der Wald gehört, so viele Bäume fällen, dass nicht mehr viel vom Forst übrig bleibt.



Worum geht es beim Streit
um den Hambacher Forst?
Dort gibt es jahrhundertealte Buchen und Eichen. Früher war er 4100 Hektar groß. Laut RWE wurden bereits 3900 Hektar für den Tagebau gerodet. RWE will im Herbst mehr als die Hälfte des übrig gebliebenen Waldes fällen, um weiter Kohle baggern zu können. Laut Umweltverband BUND gibt es in dem Gebiet Vorkommen streng geschützter Arten wie Bechsteinfledermaus, Springfrosch und Haselmaus.

Warum spitzt sich

der Konflikt gerade jetzt zu?
Für den Hambacher Forst ist es kurz vor zwölf. Nach der nächsten Rodungssaison wird von dem Waldgebiet nicht mehr viel übrig sein. Der Umweltverband BUND klagt seit Jahrzehnten gegen den Tagebau Hambach. Aber erst Aktivisten lenkten 2012 mit ihrer Besetzung den Blick auf den Wald. Mittlerweile gilt der Hambacher Forst als Symbol für den Kampf um Klimaschutz. Die Rodungssaison dauert vom 1. Oktober bis Ende März.

Welche Rolle spielt die
Kohlekommission in dem Konflikt?
Ein rheinisches Bündnis aus Betroffenen, Naturschützern und kirchlichen Organisationen hat mit einem Appell die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission ins Spiel gebracht. Darin forderten 16 Organisationen einen Aufschub der Rodungen bis zum Abschluss der Kommissionsarbeit. Die Kohlekommission soll bis Ende des Jahres eine Strategie zum Ausstieg aus der Kohleverstromung ausarbeiten und Vorschläge für die Gestaltung des Strukturwandels in Tagebau-Regionen vorlegen. Der Umweltverband BUND denkt über einen Ausstieg aus dem Gremium nach, falls während der Kommissionsarbeit gerodet wird.

Was hat diese Forderung
der Umweltschützer bewirkt?
RWE hält die Rodungen für "zwingend erforderlich". Eine vorübergehende Aussetzung der ab Oktober geplanten Rodung würde die Stromerzeugung in den Kraftwerken infrage stellen. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sieht keinen Spielraum für Vermittlungen seitens der Landesregierung. RWE müsse entscheiden. Genauso sieht es SPD-Chefin Andrea Nahles. Die Gewerkschaft der Polizei NRW befürchtet bei Rodungen Gewalttaten und fordert einen Aufschub.

Wie schätzt die Polizei die

Sicherheitslage im Wald ein?
Der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach sprach von einer Gewalteskalation innerhalb kürzester Zeit. Einsätze seien nur mit massiven Kräften verantwortlich. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) warnte, dass man es mit "extrem gewaltbereiten Linksextremen" zu tun habe, die aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland anreisten.

Wer sind "die Aktivisten"?
Die Besetzer sind seit 2012 mit wechselnden Leuten im Wald. Auf der Wiese eines Privatmanns steht eine Küche und ein Versammlungsraum. In den ältesten Bäumen des Hambacher Waldes stehen etwa 30 bis 60 Häuser, die nicht so leicht zu räumen wären.

Hat es schon mal eine
Räumung im Wald gegeben?
Bei der Räumung 2012 hatte sich ein Waldbesetzer in einer metertiefen Erdhöhle verschanzt. 500 Polizisten und ein Heer von technischen Experten konnten den Mann erst nach vier Tagen herausholen. Unlängst fand die Polizei unter mehreren Baracken tiefe Löcher.

Was passiert, wenn die Bäume
in größerer Zahl fallen?
Dann dürften laut Beobachtern und Polizei die Proteste massiv zunehmen. Eine Gruppe von Aktivisten warf der Polizei vor, in den vergangenen Tagen und damit vor Beginn der Rodungssaison bereits etwa 20 Bäume gefällt zu haben, darunter sehr alte, um Großgeräte für die Räumung in den Wald zu bringen.