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20. März 2010 15:42 Uhr
Missbrauchsfall Oberharmersbach
Zollitsch: Es ging nicht um Vertuschung
Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch hat sein Handeln im Missbrauchsfall Oberharmersbach gerechtfertigt. Zugleich räumte Zollitsch allerdings auch ein, dass er aus heutiger Sicht Anfang der 90er Jahre womöglich anders gehandelt hätte.
"Heute würde ich konsequenter nach Zeugen suchen und suchen lassen." Das war einer der Kernsätze im Presse-Statement Zollitschs am Samstagnachmittag. Damit deutete der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der in der Zeit des Missbrauchsfalls in der Schwarzwaldgemeinde Personalreferent der Erzdiöse war, zumindest an, dass im Jahr 1991 womöglich nicht mit allerhöchsten Entschiedenheit seitens der Kirche versucht worden sein könnte, die aufgekommenen Gerüchte durch Zeugenaussagen bestätigt zu bekommen.
Wie die Badische Zeitung in ihrer Samstagsausgabe berichtete, waren in jenem Jahr Gerüchte aufgekommen, der damalige Oberharmersbacher Gemeindepfarrer Franz B. habe jahrelang Kinder und Jugendliche, vorwiegend Messdiener, sexuell missbraucht. Nach einem Gespräch mit Verantwortlichen des Erzbistums, darunter auch Zollitsch, war Franz B. schließlich mit 60 Jahren vorzeitig in den Ruhestand versetzt worden. Zur Begründung wurde der angeschlagene Gesundheitszustand Franz B.’s angeführt. Der Geistliche musste aus Oberharmersbach wegziehen und außerdem zusagen, sich von Kindern und Jugendlichen fernzuhalten. Auf die Einschaltung der Staatsanwaltschaft wurde verzichtet. Erst vier Jahre später wurde dem dann in einem Altenheim in Neustadt lebenden Franz B. konkret staatsanwaltliche Ermittlungen angedroht, nachdem sich ein Oberharmersbacher Missbrauchsopfer gegenüber der Kirche offenbart hatte. Kurz darauf nahm der beschuldigte Geistliche sich das Leben.
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Der ganze Vorgang bedrücke ihn bis heute, sagte Zollitsch am Samstag in Freiburg in seiner Erklärung. Im Namen der Kirche entschuldige er sich noch einmal bei den damaligen Opfern und bitte sie um Verzeihung. Zugleich betonte er jedoch: "Es ging niemals darum, etwas zu vertuschen." Alle Verantwortlichen hätten damals nach besten Wissen und Gewissen gehandelt. Weil die Vorwürfe zunächst nur allgemeiner Natur gewesen seien, sei das Einschalten der Staatsanwaltschaft keine Option gewesen. 1995 habe man konsequent gehandelt, sich bei der Gemeinde entschuldigt und den 17 bekannten Opfern auf Wunsch finanzielle Unterstützung für therapeutische Hilfe gewährt.
Nachfragen von Journalisten ließ Zollitsch nicht zu. Der Pressesprecher des Erzbistums, Robert Eberle, bestätigte anschließend, dass sich die Kommission zur Überprüfung von Missbrauchsverdachtsfällen in der Erzdiözese auch noch einmal mit den Vorgängen in Oberharmersbach beschäftigen werde. Auf die Frage, was geschehe, falls dabei festgestellt würde, dass 1991 doch hätte die Staatsanwaltschaft eingeschaltet werden sollen, wollte Eberle nicht antworten: Zunächst müsse das Ergebnis abgewartet werden. Dann werde man Konsequenzen ziehen.
Hintergrund: Der Fall Oberharmersbach
Kommentar: Zollitschs Versäumnis
Autor: Thomas Fricker
