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04. Februar 2012

A weng Fränkisch für die Badener

Die Kabarettistin Mia Pittroff beim Grenzenlos-Festival.

  1. Mia Pittroff Foto: promo

"Wos is a weng gabarettistisch?" Mia Pittroff beginnt ihren Auftritt beim Freiburger Grenzenlos-Festival mit einer Frage. Aber erwartet die im breiten fränkischen Dialekt plaudernde Bayreutherin auch eine Antwort? Das Publikum im Foyer des SWR-Studios jedenfalls ist nicht gleich bereit, mit der 30-Jährigen in einen Dialog zu treten: Schließlich hat man bezahlt, um sich unterhalten zu lassen! Immerhin wird zaghaft gekichert über die scheinbar etwas unbeholfene Frau im kurzärmeligen Kleidchen, die sich auf der leeren Bühne an ihrem Wasserglas, einem Notizheftchen und ihrem Mobiltelefon festhält – und augenscheinlich wenig vorbereitet vor ihr Publikum getreten ist. Würde sie sonst so eine Frage stellen, würde sie sonst erzählen, dass sie dringend ihre Mutter am Telefon erreichen muss, damit diese ihr sagt, was sie an diesem Abend dem Publikum erzählen kann?

Natürlich ist Pittroff vorbereitet. Die scheinbare Unsicherheit gehört zu ihrer perfekt einstudierten Figur, die mit minimalistischer Mimik, punktgenau eingesetzter sparsamer Gestik und gut verstecktem Charme einen so staubtrockenen Humor an den Tag legt, dass man nur staunen kann. Aber es dauert, bis das Publikum ihr folgt – Badener und Fränkin müssen erst warm miteinander werden.

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Währenddessen steigert sich die Kabarettistin langsam aber unaufhörlich und zeigt die unterschiedlichsten Facetten zwischen Comedy und Kabarett. Es gibt keinen roten Faden in den nächsten zwei Stunden, aber trotzdem viel zu erzählen. Von einem Buddhismus-Wochenende mit zwanzig Teilnehmern unterschiedlichen Alters auf einer unbeheizten Burg zum Beispiel. Um dem Publikum zu zeigen, wie sie, die bodenständige Fränkin, in einem Energiekreis auf der nackten Erde zwischen Joachim und Desirée liegend leider doch kein Kribbeln verspürte, legt Pittroff sich auf die Bühne nieder. Huch, fühlen sich die Freiburger da vielleicht auf den Schlips getreten?

Befreiendes Lachen hört man aus dem Zuschauerraum erstmals, als Mia Pittroff tiefschwarzen Humor hervorkehrt: Als wäre es ein guter Freund, beerdigt sie ihren Laminatboden, der ja doch nur "ein Holzboden mit Depression" war.

Nach der Pause hat Mia Pittroff eine Tüte Chips unter dem Arm. Die gibt sie ins Publikum und ermahnt jeden, nicht mehr als zwei oder drei herauszunehmen. Während die Zuschauer fröhlich knistern und kauen, erzählt Pittroff, dass sie sich die Tüte mit Hilfe von Toilettengutscheinen von einer Autobahnraststätte "erpinkelt" habe. Der Abend ist voll von solch kleinen, im Grunde genommen blödsinnigen Anekdoten, die aber witzig vorgetragen sind und einfach zu dieser Figur auf der Bühne passen.

Eine weitere Facette ihrer Originalität und Kreativität zeigt Pittroff, wenn sie singt. Ihre klare Stimme trägt weit ins Publikum, ihre vom Dialekt geprägten Lieder – über Ikea oder den Milchkaffee trinkenden Mann – sind ebenso witzig und pointiert wie ihre Geschichten. Als Mia Pittroff sich nach zwei Stunden aus Freiburg verabschiedet, hat man das sichere Gefühl, a weng an richtig schönen Abend genossen zu haben.

Autor: Heidi Ossenberg