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16. Juli 2012

Ästhetisierte Sinnlichkeit

Die Freiburger Galerie Albert Baumgarten zeigt Bilder von Johannes Hüppi.

Das Helle eines weiblichen Körpers im tiefen dunklen Wald. Die mysteriösen Schatten von scheinbar harmlosen Tieren, die sich der Frau nähern und sie beobachten – als wären sie fasziniert von ihr. Liebespaare, die sich auf einer von blühenden Kirschbäumen gesäumten Wiese küssen. Stille. Eine schlafende nackte Frau, die zärtlich den Kopf eines Mannes streichelt. Der Kopf ist mit keinem Körper verbunden und liegt im weiblichen Becken. Verwirrend und erotisch.

Diese Szenen entstammen der Phantasie des schweizerisch-deutschen Malers Johannes Hüppi, dessen neue Arbeiten die Galerie Albert Baumgarten in Freiburg zeigt. Die Malerei sei eine Bühne für Gefühle, sagt Hüppi über sein Werk. Zu Recht. Der Künstler schenkt den Emotionen in seinen Bildern eine zentrale Stellung. Er gehört zur neuen deutschen Generation der romantischen Realisten. Hüppi malt nach Eindrücken und Gefühlen. Viele der dargestellten Figuren existieren aber real. Immer wieder finden sich tatsächlich auf seinen Figurenbildern seine Frau und seine Tochter Maria. Besonders eindrucksvoll ist in dieser Hinsicht die Serie namens "Maria schläft". In vier Ölgemälden (im kleinen Format) wird die Figur der Tochter subtil und emotional herausgearbeitet. Mit feinen Mandelaugen und schwarzen Haaren. Da befindet sich auch ein Tier – wahrscheinlich ein Hund – mit menschlicher Mimik. Vielleicht geht es um eine Traumfigur, die zur Phantasie von Maria gehört. Vielleicht geht es um Hüppi selbst, der auf den Schlaf seiner Tochter achtet.

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Durch eine subtile Beleuchtung, die oft zwischen Licht und Schatten schwebt, schafft der Maler eine geheimnisvolle und surreale Atmosphäre, in der das physische Begehren und die Sinnlichkeit des Menschen ästhetisiert werden. Manche Bilder erinnern an die Gemälde von Édouard Manet – wie zum Beispiel an das "Frühstück im Grünen" – oder an die weiblichen Akte von Jean-Auguste-Dominique Ingres. Oft werden in Hüppis Malerei küssende Liebespaare dargestellt, die sich in freier Natur der Liebe hingeben. Sie erscheinen im üppig Grünen der Landschaft, nackt und in lockeren Posen , als wären sie allein auf der Welt. Weit weg von der Gesellschaft. In Einklang mit der Natur. Hier verbinden sich Landschaft und Figuren zu einem gemeinsamen, intensiven und sinnlichen Stimmungsbild.

Die kuschelnden und lasziven Körper verwandeln sich selbst in eine faszinierende Landschaft. Auf den ersten Blick erhält der Betrachter den Eindruck, er habe sie zufällig entdeckt. Die oftmals erotischen Bildelemente spielen dabei mit seinem voyeuristischen Blick. Auf den zweiten betritt er barrierefrei diese Welt aus Realität und Traum. In Johannes Hüppis Malerei nimmt die Frauengestalt eine zentrale Stellung ein. Mal als erotische femme fatale, mal als in sich ruhende Geliebte. Mal in Liebesumarmungen, mal wieder als autarkes Einzelwesen. Hüppis Bilder kreisen immer wieder um den weiblichen Akt, vor allem die liegende Akte sind ihm gelungen. Nackte Frauen und Mädchen mit fein ausmodellierten Körpern rekeln sich sinnlich in Laken, baden und lieben. Sind diese Frauen für Hüppi eher inspirierende Musen, Objekte der Begierde, oder einfach Objekte der Kunst, mit denen der Maler Vollkommenheit anstrebt? Wahrscheinlich von allem etwas.
– Johannes Hüppi, Galerie Baumgarten, Kartäuserstr. 32, Freiburg. Bis 25. Juli. Di–Fr 15–19, Mi, Do auch 10–12, Sa 11–15 Uhr.

Autor: Laurie Tierce