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31. Juli 2010

Das Welterbe Mittelrhein ist gesichert

ANGERISSEN: Eine Brücke für das Denkmal

Dem Dresdner Elbtal ging der Welterbestatus 2009 wegen eines Brückenbaus verloren. Im Oberen Mittelrheintal darf die Flussquerung gebaut werden, nach dem Entscheid der Welterbe-Kommission vom Donnerstag. Gegner der Brücke hatten den Titelverlust prognostiziert. Die Entscheidung der Unesco war für viele eine Überraschung. Aber die Situation am Rhein ist nur bedingt vergleichbar mit der an der Elbe.

Dort wie hier sprechen wir von einer geschichtsreichen Kulturlandschaft. Der Rhein, der von Bingen bis Koblenz zwischen steilen Hängen den Weg durchs Schiefergebirge sucht, von pittoresken Ortschaften gesäumt und von mittelalterlichen Burgen und Burgruinen, ist gewissermaßen eine Entdeckung des 19. Jahrhunderts. Der Unesco-Titel Weltkulturerbe stellt das Bild der Rheinromantik unter Schutz . Und auch in Dresden ging es um die Erhaltung eines in den Künsten kultivierten Blicks: die Silhouette der Stadt, eingebettet in Flussauen und Hügel. In dieses "Gemälde" schneidet die Waldschlösschenbrücke nun mitten hinein.

Der Interessenkonflikt ist eigentlich keiner

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Anders als in Dresden, wo die Notwendigkeit der neuen Brücke umstritten war, ist am Rhein eine Neukonzeption der Uferverbindung von keiner Seite in Frage gestellt. (Brückengegner denken an den Ausbau des Fährverkehrs.) Tatsache ist, dass es auf rund 85 Kilometern keinen festen Weg von einer Seite des Wassers auf die andere gibt. Das Brückenprojekt wählt in der Nähe der Loreley einen Ort etwa in der Streckenmitte. Doch anders als in Dresden sucht die Planung dabei die Anpassung an die geschützte Landschaft. Man hat den Bau fünf Kilometer vom Felsen der Romantik abgerückt und außer Sichtweite von St. Goar. Und man plant, anders als an der Elbe, nur mit zwei schmalen Fahrbahnen. Hier von "Frevel" zu sprechen und von einem "Monstrum", ist verfehlt.

Das Welterbe-Komitee fügt sich mit seiner Entscheidung in die Notwendigkeit und erkennt das Bemühen der Planerseite um landschaftliche Angemessenheit und Verträglichkeit an. Es ist keineswegs so, dass es sich untreu wird und die harte Konsequenz in Dresden nun an dieser anderen Stelle in Frage stellt. Das Komitee verdeutlicht vielmehr exemplarisch: Vermittlung ist nötig und möglich zwischen Denkmalschutz und den praktischen Erfordernissen eines Lebensraums andererseits. Es hat nicht gegen das "Erbe", aber eben auch nicht gegen die zwingenden Bedürfnisse der Erben entschieden.

Die Region zwischen Bingen und Koblenz ist strukturschwach, Arbeitsplätze sind rar, der Bevölkerungsschwund ist dramatisch. Hier ist eine neue Verkehrsverbindung von kaum zu überschätzender Bedeutung. Und es kann ja auch nicht im Sinne des Denkmals Oberes Mittelrheintal sein, dass die romantischen Rheinstädtchen zu Geisterstädten verkommen. Ergo: Der Interessenkonflikt ist eigentlich keiner. Die Brücke nicht das Attentat, das Gegner darin sehen. Im Gegenteil hätte ein Unesco-Nein den Tatbestand unterlassener Hilfeleistung erfüllt.

Autor: Volker Bauermeister