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11. April 2013

Armin Göhringer und Petra Göhringer Machleid stellen aus

Die verwachste und verwachsene Kunst kann in Waldkirch und Emmendingen besichtigt werden

Es sind gleich mehrere Premieren auf einmal. Zum ersten Mal haben das Georg-Scholz-Haus in Waldkirch und die Galerie im Tor in Emmendingen für eine gemeinsame Ausstellung in beiden Häusern miteinander kooperiert. Erstmalig auch stellen Armin Göhringer und Petra Göhringer Machleid in der Doppelschau gemeinsam aus. Und ebenfalls zum ersten Mal ist es, dass die Geschwister neben je eigenen Werken solche zeigen, die in Gemeinschaftsarbeit entstanden sind. "Verwachsen" – der gemeinsame Titel beider Ausstellungen ist dabei durchaus mehrdeutig. Etwas verwächst mit anderem organisch zu einer höheren Einheit – was auf die Gemeinschaftsarbeiten, aber auch auf verschiedene Einzelwerke zutrifft, die unterschiedliche Materialien miteinander kombinieren.

Als Adjektiv wird der Begriff freilich auch im Sinne von Misswuchs verwendet – eine Bedeutung, die man im Hinblick auf einzelne Werke von Armin Göhringer als nicht ganz abwegig empfindet. Die gehen nämlich bisweilen sozusagen "krumme" Wege, Korrektiv und Kritik an unserer manischen Fixierung aufs Glatte, Ebenmäßige, Gefällige. Und schließlich: Wachs ist ein bevorzugtes Material von Petra Göhringer Machleid. In den Gemeinschaftsarbeiten hat sie damit die Holzskulpturen ihres Bruders bearbeitet, sie somit "verwachst" – freilich gewiss nicht in dem Sinne, wie man Skier verwachst.

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Die beiden Ausstellungshäuser setzen unterschiedliche Akzente. Während in der Galerie im Tor Arbeiten aus Papier oder mit dem Bestandteil Papier dominieren, überwiegen im Georg-Scholz-Haus Werkgruppen aus Holz, Wachs und Beton. Dort sind auch raumgreifende Arbeiten wie eine Bodeninstallation von Göhringer Machleid und großformatige Skulpturen ihres Bruders zu sehen – etwa eine übermannshohe Arbeit, bei der aus einem Eisenkarree bambusartig ein Dickicht aus schwarzen Stäben emporwächst. Die Stäbe sind nicht rund, sondern viereckig. Und sie haben oben keinen irgendwie organisch gearteten Abschluss, vielmehr einen, der an Technik und Zweckform denken lässt. So wie Göhringers Skulpturen insgemein zwischen organoider Gestalt und Geometrie oszillieren.

Auffallend ist die häufige Kombination unterschiedlicher Materialien bei beiden Künstlern: Holz mit Eisen oder Papier bei Armin Göhringer; Wachs mit Beton oder Holz bei seiner Schwester. Deren in Waldkirch gezeigte "Monolithe" sind kubische Blöcke mit horizontal geschichteten und organisch miteinander verwachsenen Lagen aus Wachs und Beton. Man fühlt sich an geologische Formationen erinnert – so wie die Lagen übereinander geklebter Plakate in ihren Arbeiten mit Ausschnitten von Litfaßsäulen-"Rinde" an die Jahresringe von Bäumen denken lassen. Zeitentiefe scheint auf auch in Armin Göhringers schwarzen, bisweilen an archaisch-verkohlte, dingliche Relikte aus grauer Vorzeit gemahnenden Holzskulpturen. Doch weiß man, dass Göhringer bei seinen Skulpturen an Figuren und Köpfe denkt. Das gibt den Applikationen aus Papier, die sich in Emmendingen auf einige der schwarzen Holzskulpturen legen, einen menschlichen, lebensweltlichen Sinn. Wie schützende Hüllen oder Bandagen umgibt das in aufgeweichtem Zustand aufgebrachte Bütten das Holz. Ja, es verwächst gleichsam mit ihm.

In den unterschiedlichen Materialien finden Gegensätze zusammen: Hart und Weich, Hell und Dunkel, Ruhe und Bewegung. Sie kehren in den Gemeinschaftsarbeiten wieder. Da dringt beispielsweise weißes Wachs durch starre, gitterartige Strukturen der mit schwarzem Pigment und Leinöl bearbeiteten Holzskulpturen. Der Wachsfluss kann aber auch der Stabilisierung dienen, wie in einer Arbeit, bei der Wachsplatten eine durchbrochene Skulptur stützen – und umgekehrt. Oder in einer anderen, wo zwei Teile erst durch eine Wachsschicht miteinander verbunden werden – auf diese Weise verwachst und miteinander verwachsen.


– Georg-Scholz-Haus, Merklinstr. 19, Waldkirch. Bis 28. April, Donnerstag bis Samstag 15–18 Uhr, Sonntag 10–13 Uhr.
– Galerie im Tor, Lammstraße 30, Emmendingen. Bis 28. April, Mittwoch 14–17 Uhr, Samstag 11–14 Uhr, Sonntag 11–17 Uhr.

Autor: Hans-Dieter Fronz