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15. Juni 2012

Talente treffen auf ihre Idole

Die Carhartt Gallery in Weil am Rhein zeigt in der Ausstellung "Public Provocations IV" Arbeiten von 13 internationalen Künstlern.

Längst ist nicht mehr nur die Sprühdose das klassische Werkzeug in der Urban Art. Vermehrt arbeiten die Künstler der Szene mit Pinsel, Acrylfarbe und Zeichenstift, ja sogar mit textilen Materialien. Diese überraschenden Trends in der aktuellen urbanen Kunst sind in der Ausstellung "Public Provocations IV" in der Carhartt Gallery in Weil am Rhein zu entdecken – der Top-Adresse für Urban Art.

13 internationale Künstler haben ihre Boxen nach eigenen Ideen und Konzepten vor Ort gestaltet. So präsentiert sich die urbane Szene vielfältiger denn je – auch als Medium für politische Statements und Zeitkritik. "Das Schöne ist, dass hier Wahnsinnstalente auf ihre Idole treffen, sich austauschen und vernetzen können", sagt Kurator Stefan Winterle.

Klaas van der Linden aus Belgien liebt das Dramatische und Dämonische der Nacht. Seine Box hat er in eine mystische Kathedrale verwandelt, mit Schwarz, Kerzenlicht und einem kirchenfensterartigen Wandgemälde. Motive wie ein verfallenes Haus und schwarze Vögel wirken wie eine Filmkulisse zu einer Romantic Novel oder einem Schauer-Gruselschocker von Edgar Allan Poe. Geheimnisvolle Figuren, eine tätowierte Frau als Flaschengeist oder ein düsterer Gentleman vor roter Flammenhölle bevölkern van der Lindens nächtliche Bildwelten.

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Tasso aus Meerane gilt als Gründer des fotorealistischen Sprayens. Neben kraftvollen Raubtierköpfen bringt er Sujets wie bedrohliche Massen-Aufmärsche, Bilder mit politisch-kritischem Hintergrund, die der Gesellschaft den Spiegel vorhalten. Auch der Iraner A1 One, der die größte Ausstellungsfläche bestückt, verarbeitet in geheimnisvoller Figurensymbolik die politische Situation in seinem Land. Der experimentierfreudige Künstler aus Teheran lässt Elemente fremder alter Kulturen in seine Figuren- und Bildsprache einfließen, Einflüsse der Aboriginal Art, der Natives, der Maya, Indianisches und Ornamentales.

Symbolhaftes wie ein clownesker Totenschädel und eine blaue Hand mit Kerze auf schwarz-weißem schachbrettartigem Hintergrund findet sich auf den Bildwänden von Honet aus Frankreich, der sich auch mit der Symbolik von Freimaurer-Tempeln auseinandersetzt. Schon eine Ikone der Stencil-Künstler ist der Franzose Jef Aerosol, ein wahrer Meister der Schablonentechnik, der für seine raffinierten Porträts bekannt ist.

Neben diesen Größen der Urban Art gibt es Neuentdeckungen wie die von starken Metaphern und Symbolismen aufgeladenen surreal-fantastischen Ölbilder und Wandgestaltungen des jungen polnischen Malers Bezt. Totenschädel, eine fliegende Frau vor einem verfallenen Haus, die Spuren im Schnee hinterlässt, eine Gestalt mit Krokodilskopf, ein junges Paar, das im Wasser Schach spielt sind Motive, die Bezt mit fotorealistischer Präzision gemalt hat. Seine malerische Meisterschaft zeigt auch Satone in der Serie "Chromology" in nuancierten silbern, gold, grau und beige schimmernden Metallictönen.

Schwarz-Weiß und Grautöne sind die vorherrschenden Farben in den hochpräzisen Tuschebildern von Marco Zamora aus Los Angeles. In seinen bestechend hyperrealistischen Momentaufnahmen aus der Stadt thematisiert er die Schattenseite des reichen Amerika: Obdachlosigkeit, Armut, Müll, Habseligkeiten in einem Einkaufswagen, Alltagsgegenstände künstlerisch ästhetisch dargestellt. Ein Eyecatcher sind die überdimensionalen Roboterfrauen und Maschinenwesen mit Körpern aus Elektronikteilen von Czarnobyl aus Polen. Seine Fantasiewesen sind deutlich von H.R. Giger beeinflusst. Mit poppigen Farben und One-Line-Figuren hat Dave the Chimp aus England eine frische Farboase für Graffiti-Fans geschaffen. Etwas komplett Neues in der Szene präsentierten "Maoma" aus Amsterdam: eine imaginäre Traum- und Märchenwelt gestaltet aus Textilem, genauer aus farbigen Filzteilen. Die junge Künstlerin "Eme" aus Barcelona mischt die immer noch männlich besetzte Welt des Graffiti mit einer in Farbgebung und Arrangement weiblich wirkenden Zimmer-Installation mit Bildern und Mobiliar auf.
– Bis Oktober, Dienstag bis Freitag 14 bis 18, Samstag 12 bis 18 Uhr

Autor: ros


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