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22. Januar 2011

Wolkig, duftig, räumlich

Willes Meinhardt in der Freiburger Galerie artopoi.

An der Grenzlinie zum Malerischen verortet sich der Darmstädter Künstler Willes Meinhardt, dessen Bilder jetzt –erstmals in einer Einzelschau – von der Freiburger Galerie artopoi gezeigt werden. "Wolkig, duftig, windbewegt" – das sind gewiss keine Begriffe, die eine Verbindung mit Konkreter Kunst nahe legen. Meinhards originäre Bildschöpfungen ordnen sich diesem Label auch nur zum geringen Teil unter, denn seine Spezialität ist die beidseitige Bemalung von Plexiglasscheiben. Verblüffende farbräumliche Effekte sind damit zu erzielen, eine diffuse Mehrschichtigkeit, die sogar ein wenig an 3-D erinnert. Zuerst bestreicht der Künstler die Rückseite des Bildträgers mehrschichtig mit kräftigen Acrylfarben, wobei streifige, orthogonale oder wolkig-diffuse Strukturen entstehen. Sehr dünn und gleichmäßig wird die Vorderseite dann mit Ölfarbe bemalt.

Die nebelhafte Trübung lässt dahinter liegende warme Farben eher kühl erscheinen. Ein Sfumato-Effekt, wie er nicht ganz unähnlich bereits in der letzten Ausstellung des artopoi-Galeristen Helmut Albert zu sehen war. Die Künstlerin Edda Jachens hatte diese gedämpfte Luminosität ihrer Farben mit transparenten Wachsschichten erzielt. Meinhardts Verfahren ist mindestens ebenso interessant. Allerdings sind nicht alle der ausgestellten Bilder auf der Höhe der von ihm entwickelten "Doppelglasmalerei". So präsentiert er eine Serie von zweigeteilten Kleinformaten, auf denen eine opake, homogen einfarbige Fläche mit einer aus feinsten polychromen Strukturen kontrastiert, die insgesamt zu einem meist hellen Farbton tendiert. Selbst wenn man dergleichen schon häufiger gesehen hat, finden sich auch hier durchaus interessante Varianten. Wenig einsichtig bleibt hingegen, warum auf anderen Arbeiten, eine vertikale Vorhangstruktur im unteren Bilddrittel verwischend abbricht. "Transluzid" heißen auch diese Bilder, denen es um die unterschiedliche Lichtbrechung von Farbe geht. Sehr gelungen dagegen in seinem vielschichtigen Aufbau ist ein wie gespachtelt wirkendes ockertoniges Bild, das seinen Sammler bereits gefunden hat. Die meisten Bilder zeugen von handwerklicher Akribie und koloristischer Delikatesse. Auch wenn nicht alles dem Vergleich mit ihnen standhält: Allein schon Meinhardts Raum generierende "Glasbilder" lohnen den Besuch.
– Galerie artopoi, Basler Straße 11, Freiburg. Bis 19. Februar, Mittwoch bis Freitag 15–19, Samstag, Sonntag 12–15 Uhr.

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Autor: Stefan Tolksdorf