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18. Oktober 2011

Bewahrer europäischen Kulturgutes

Orgelstiftung wird für die Pflege der 212-jährigen Orgeltradition gewürdigt / Adrian Oswalt bekommt Preis für Innovationen.

  1. Sven von Ungern-Sternberg (2. von rechts) überreichte Wolfgang Brommer, Helmut Hummel und Bernd Wintermantel (von links) den Kulturpreis der europäischen Kulturstiftung. Adrian Oswalt erhielt den Europäischen Preis für Orgelkunst und Komposition. Foto: Fotos: Eberhard Weiss

  2. Foto: Eberhard Weiß

BADEN-BADEN/WALDKIRCH. In einem Festakt in der Zisterzienserinnen-Abtei Lichtenthal in Baden-Baden verlieh das Europäische Kultur-Forum Strasbourg-Baden-Baden und die Europäische Kulturstiftung Pro Europa am Samstag Kulturpreise an die Waldkircher Orgelstiftung sowie an den Komponisten und Orgelbauer Adrian Oswalt.

Mit dem "Preis zur Bewahrung Europäischen Kulturgutes" an die Waldkircher Orgelstiftung wurden, wie es in der Urkunde der Europäischen Kulturstiftung heißt, "die Verdienste um die 1799 in Waldkirch gegründete und weltweit einmalige Tradition des Orgelbaus und der Orgelmusik" gewürdigt.

Regierungspräsident a.D. Sven von Ungern-Sternberg, der den erkrankten Regierungspräsidenten Julian Würtenberger vertrat, ging in seiner Laudatio zunächst auf die 212-jährige Tradition des Waldkircher Orgelbaus ein, die mit Kirchenorgelmacher Mathias Martin und 35 Jahre danach mit Ignaz Blasius Bruder begann. Aus den folgenden "Drehorgeldynastien" in Waldkirch machten sich die "Künstler-Handwerker" mit ihren Instrumenten auf den Weg in die Welt hinaus und ihr Ruf war so gut gewesen, dass namhafte Firmen aus Paris in Waldkirch Niederlassungen einrichteten, um am "Puls der Zeit" zu sein.

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Diesen Pulsschlag nicht zu verlieren, hat sich die offiziell am 20. Dezember 2000 gegründete "Waldkircher Orgelstiftung" zur Aufgabe gemacht. Sie erforscht die Geschichte und die kulturhistorische Bedeutung des Waldkircher Orgelbaus, fördert und dokumentiert sie. "Von hier, dem Herzen Europas, sollen weiterhin Impulse ausgehen" so von Ungern-Sternberg. Das Quintett der fünf Gründungsmitglieder der Stiftung habe sich längst zu einem Orchester ausgeweitet, denn Sponsoren, Gönner, die Waldkircher Orgelwelt mit dem Elztalmuseum, dem Orgel-Förderkreis und die Stadt begleiten sie. Paradebeispiel sei das alle drei Jahre stattfindende Internationale Orgelfest mit Konzerten, offenen Werkstätten, Gästen aus Europa und Übersee.

FÜR DIE NACHWELT BEWAHRT

Mehr als 70 historische, Musikinstrumente aus allen Waldkircher Orgeldynastien sind im Orgelbauersaal zu sehen – Instrumente, die die Stiftung ankauft, restauriert und der Nachwelt erhält. Das Orgel-Archiv der Stiftung sammelt Schriften und Noten aus der Vergangenheit und arbeitet sie musikwissenschaftlich auf. Zahlreiche CD-Produktionen widmen sich alter und neuer Orgelmusik. Dank und Anerkennung gelte, so von Ungern-Sternberg, den Stiftungsvätern, den vielen Sponsoren und ebenso den freiberuflichen Mithelfern in Archiv und Forschung, allen, die sich für das einmalige Kulturgut der Waldkircher Orgeln einsetzen. Von Ungern-Sternberg überreichte die Urkunde der Europäischen Kulturstiftung an die Vorstands- und Stiftungsmitglieder Wolfgang Brommer, Helmut Hummel und Bernd Wintermantel.

ENTWICKLUNG INS MORGEN

Er ist in Hessen geboren, hat russische Wurzeln und einen schwäbischen "Migrationshintergrund": So beschreibt Eugen Betz, Landessprecher des Bundesverbandes Deutscher Pressesprecher, den Musiker Adrian Oswalt, der auf der Suche nach "zeitgeistigen Liedern" auf die Drehorgel getroffen sei, die sein Leben fortan begleitet. Jetzt wurden seine "Verdienste um die musikalische Innovation der mechanischen Musik und die spieltechnischen Neuerungen mit dem Europäischen Hummel-AG-Preis für Orgelkunst und Komposition gewürdigt.

Nach seinem Musikstudium hätte er keine Lust mehr gehabt, Musik zu machen, erzählt der Laudator über Oswalt. Durch die Drehorgel und durch seine vielen Konzertreisen habe er einen neuen Zugang zur Musik gefunden. Er spielte auf Festivals in Rumänien, in Japan und den USA, auf der Expo in Nagoya und in Shanhai. Angesteckt von der unbändigen südamerikanischen Lebensfreude, sei er aus Brasilien wie neugeboren zurückgekehrt. Die zwanzigtönige Drehorgel bringe ihn immer mehr an seine Grenzen. Die Kunst, für sie zu komponieren – und er sei ein glänzender Komponist – liege darin, Töne, die es nicht gibt, so zu verstecken, dass wir nicht merken, dass sie fehlen. Schon Brahms habe gesagt, dass es nicht schwer sei, zu komponieren, aber es sei fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. "Darin ist Adrian Oswalt ein Meister".

So wuchs in ihm die Idee, eine Orgel ohne musikalische Grenzen zu konzipieren. Bei der Meisterwerkstatt Jäger und Brommer in Waldkirch fand er die Partner, die seine Ideen entwickelten und die größte handgetriebene Drehorgel der Welt bauten. Adrian Oswalt arbeitet in der Werkstatt mit, er wollte ein Instrument für die Bühne, das nicht an technischen und virtuosen Grenzen des Musikers gebunden ist. In der Zwischenzeit hat die XXXL-Orgel ihre Bewährungsprobe beim letzten Orgelfest hinter sich gebracht. In Baden-Baden stellte Adrian Oswalt am Samstag seine neuesten Kompositionen vor. Die vielen Besucher waren begeistert. Helmut Hummel aus Waldkirch, kurz zuvor als Gründungsmitglied der Waldkircher Orgelstiftung noch selbst geehrt, überreichte Adrian Oswalt den Europäischen Hummel-AG-Preis für Orgelkunst und Komposition.

Autor: Eberhard Weiß