Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

05. März 2010

Blues aus einer kleinen Bergnation

Der Schweizer Hank Shizzoe stellt heute in der Freiburger Wodan-Halle sein Album "Breather" vor.

  1. Vom Blues bis zur Countryballade: Hank Shizzoe (mit Gitarre) und seine Band, die Directors. Foto: pro

In Lörrach bei der "Bowl of Blues" im Burghof vergangenen Oktober bezeichnete er sich selbstironisch als Vertreter einer "kleinen merkwürdigen Bergnation". Der Schweizer mit dem Künstlernamen Hank Shizzoe hat sich trotz dieses Hintergrunds längst in den vorderen Reihen der Blues- und Rock-Gitarristen etabliert. Schon vor Jahren begleitete er den König des Wüstenblues, Ali Farka Touré aus Mali, auf Tournee. Das Magazin "Rolling Stone" kürte ihn schon zum besten Roots-Rock-Songwriter und Gitarrenstilisten außerhalb der USA. Mit "Breather" hat der 43-Jährige nun sein elftes Album vorgelegt – und wie meist in den vergangenen 14 Jahren sind seine "Directors" mit von der Party. Heute Abend stellen Shizzoe und die Band das Album in der Freiburger Wodan-Halle vor.

Übersetzt bedeutet "Breather" so etwas wie Verschnaufpause. Behaglich und geruhsam aber lässt es Shizzoe auf der CD allenfalls im Auftaktstück "Two Ways of Running" angehen. Im zweiten der zwölf Songs dagegen rockt er richtig los. Das Stück, eine Coverversion von Adriano Celentanos Hit "Svalutation" von 1976, bestätigt mit verzerrter Lap-Steel-Guitarre, was Shizzoe seit Jahren über Shizzoe sagt: Er ist in erster Linie Rockmusiker. Es folgt ein walzender Boogie von David Lindley über das unansehnliche Altern mancher Männer: "When a Guy Gets Boobs" mit bluesig jaulenden, schmerzverzerrten Gitarrenläufen.

Werbung


Insgesamt acht Songs der CD sind eigene Kompositionen, und die spannen stilistisch einen breiten Bogen: von Bluesballaden wie "Shaker", die zumindest in der Ferne die von Shizzoe seit Jahren hochgehaltenen Dire Straits anklingen lassen, über schweren, rollenden Delta-Blues in "Not in Vain" bis zu Countryelementen in "Split The Loot".

Den Schlusspunkt setzen erneut zwei Coverversionen: eine inspirierte, prickelnde Version von Jacques Dutroncs "Et Moi, Et Moi, Et Moi" in Tom Waits-Manier und "One Cup of Coffee and a Cigarette". Ein Stück, das Shizzoe nach eigener Schilderung in Bob Dylans Radioshow "Theme Time Radio Hour" gehört hat und das das ungesunde Leben, morgendlichen Kaffee und Zigaretten, gegen den Wellness- und Gesundheitswahn der Gegenwart verteidigt.

So zeigt "Breather" Hank Shizzoe nicht als Verschnaufenden, sondern als einen den Blues und seine Spielarten tief einatmenden Stilisten, der ein breites Spektrum abgedeckt. Das wälzt sich mal schwer am imaginären Ufer des Mississippi entlang, das schlingert mal quietschend über Großstadt-Asphalt, das richtet den Blick mal melancholisch nach Innen, aber das bringt Gefühle auch extroviert nach Außen. Hätte man so vom Vertreter einer kleinen merkwürdigen Bergnation gar nicht erwartet.
– CD: Hank Shizzoe, Breather (Blue Rose/Soulfood). Konzert: Freiburg, Wodan-halle, heute, 20.30 Uhr.

Autor: Michael Baas