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24. Oktober 2009

Das T-Shirt auf der Lehne

"Queer Life": Molly Landreths Fotos im Carl-Schurz-Haus .

Präsident Obama ernannte in diesem Jahr den Juni zum "Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender Pride Month" – und rief so das Volk auf, sich Diskriminierung und Vorurteilen gegenüber Homosexuellen entgegenzustellen. Anlass dafür gab der 40. Jahrestag der Stonewall-Unruhen, dem signifikanten Wendepunkt der Schwulen- und Lesbenbewegung. Zu dieser jüngsten Entwicklung in den USA organisierte das Carl-Schurz-Haus eine Reihe von Vorträgen. Die fanden beim Freiburger Publikum großes Interesse, und so startete die Ausstellung der Fotografin Molly Landreth mit dem Titel "Embodiment. A Portrait of Queer Life in America". Sie zeigt Porträts von Menschen aus den USA "queer" zur Norm: Es werden lesbische, schwule, bi- und transsexuelle Liebes- und Lebensweisen dargestellt. Zugleich dokumentieren die Bilder vielfältige Identitäten auf eine ebenso sensible wie pointierte Weise.

Landreth studierte Fotografie in Glasgow, Claremont und New York. Wie sie selbst erläutert, soll die Ausstellung "Embodiment" darauf aufmerksam machen, was es heißt, in einer Gesellschaft, die vom Mainstream geprägt ist, homosexuell zu sein. Landreth fotografiert aber keine skandalträchtigen Posen, sondern Menschen im intimen Rahmen bei Alltagshandlungen und in ihrer gewohnten Umgebung. So zeigt die Ausstellung einen Mann mit Schiebermütze im verwilderten und mit Laub bedecktem Garten sitzend, ebenso wie eine Frau – nur mit einer Lederhose bekleidet – auf dem Kofferraum ihres Autos.

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Ihre Fotografien sind keine Schnappschüsse, sondern sorgfältig durchdachte Arrangements: Die Aufnahme einer Frau auf ihrer Chaiselongue erweckt beim Betrachter zunächst Erstaunen. Scheint die Fotografie doch nicht unter das Motto "queer life" zu fallen oder in die Reihe der anderen Fotografien, die die homosexuellen Lebensweisen weitaus drastischer darstellen, zu passen. Doch hier wird deutlich: Das Detail ist inhaltliches Zentrum des Porträts. Das scheinbar achtlos über die Lehne der Chaiselongue geworfene T-Shirt ist ein Zeichen für die Lebensgeschichte der dargestellten Person. Die Frau, die in ihrem stilvoll eingerichteten Wohnzimmer entspannt auf der Couch liegt, war einstmals männlich und gehörte einem Fallschirmjäger-Bataillon im Vietnamkrieg an.

Bei Landreths Fotografien lohnt sich also ein zweiter Blick. Symbolik und kleine Hinweise auf die Persönlichkeit des Dargestellten sind fast immer zu finden. Bei der Betrachtung der Ausstellungsstücke aber fallen vor allem die kräftigen, satten Farben auf. Landreth fotografiert ausschließlich mit natürlichem Licht und achtet auf lange Belichtungszeiten. "Bring light" – ein Satz dem jedes Bild von "Embodiment" entspricht.
– Carl-Schurz-Haus Eisenbahnstr. 58 – 62, Freiburg. Bis 13. November, Montag bis Freitag 10–18 Uhr.

Autor: Hannah Hör