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04. Februar 2012
Das unerreichte Vorbild und die Reichskristallnacht
Der emeritierte Romanist Franz-Rutger Hausmann blickt in einem Vortrag auf seine Zeit an der Universität Freiburg zurück.
"War das richtig, nach Freiburg zurückzukehren?" Wer sich das nach einer abgeschlossenen erfolgreichen Wissenschaftskarriere an der hiesigen Universität fragt, dem muss eine gehörige Portion Skepsis zu eigen sein. Bei Franz-Rutger Hausmann, dem seit 2006 emeritierten Romanistikprofessor an der Universität Freiburg, ist dies unzweifelhaft der Fall. Und so geriet sein Rückblick, den er in der seit mehr als 20 Jahren etablierten Vortragsreihe "Erzählte Erfahrung" an der Universität hielt, weder wehmütig oder verklärend, sondern nüchtern mit ironischen Einsprengseln. Da sprach niemand, der seinem Fach im Nachhinein einen Glorienschein umhängen will, sondern zweifelt, ob die deutschsprachige Sektion der Romanistik im internationalen Wissenschaftsdiskurs auf Höhe der Zeit ist.
Der Zweifel reicht zurück in die Studienzeit: Von seinem Studium in Freiburg – Romanistik und Geschichte – sagt er, er habe in den Lehrveranstaltungen wenig gelernt; kein gutes Haar lässt er am damaligen Stil der Lehre, und im Rückblick nennt er seinen Weg bis zur Habilitation 1974 "einen Ritt über den Bodensee".
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Doch es gibt eine Ausnahme – den Romanisten Hugo Friedrich, den Hausmann sein "unerreichtes Vorbild" nennt, ein vorzüglicher Didaktiker, dessen Vorlesungen und Seminare ein Genuss gewesen seien. Doch dann erzählt Hausmann, der an Friedrichs Lehrstuhl mitgearbeitet hat, ein Erlebnis mit Friedrich: Dieser habe ihm vom Platz der Alten Synagoge aus das Fenster gezeigt, hinter dem in den 30er Jahren sein Büro gelegen habe. Worauf Hausmann fragte: "Was haben Sie denn am Tag nach der Reichskristallnacht gemacht?" Darauf habe Friedrich entrüstet gesagt: "Oberseminar – natürlich".
In diesem Wort "natürlich" lag eine Keimzelle für jenes Forschungsthema, das Hausmann in seinen Jahren als Freiburger Lehrstuhlinhaber von 1992 an – als Rückkehrer von einer Professur in Aachen – in grundlegenden Publikationen aufgearbeitet hat: die Geschichte des Faches Romanistik und der Geisteswissenschaften in der Zeit des Dritten Reichs – eine Geschichte von Anpassung, Anbiederung und völkischer Wissenschaft.
Im eigenen Fach wurde er deshalb lange Zeit als Nestbeschmutzer angesehen. Obwohl unbestritten ein ausgezeichneter Lehrer, machte Hausmann zudem frustrierende Erfahrungen mit der Wissenschaftspolitik, mit dem Hochschulrat der Universität, aber auch mit dem Romanistischen Institut – wobei er es bei Andeutungen belässt: Er habe seine Vorstellungen nicht durchsetzen können. Dennoch, sagt er und beantwortet damit auch die eingangs zitierte Frage, falle die Bilanz für ihn positiv aus. Noch da schwingt Skepsis mit.
Autor: Wulf Rüskamp
