Kunst

Das Zürcher Museum für Gestaltung lässt in einer Ausstellung die Puppen tanzen

Hans-Dieter Fronz

Von Hans-Dieter Fronz

Fr, 05. Mai 2017

Schweiz

Das Zürcher Museum für Gestaltung lässt in einer Ausstellung die Puppen tanzen.

Die Marionette, könnte man behaupten, ist das mobile Pendant zur Puppe. Und während letztere seit der Moderne als Ausdrucksfigur des Menschlichen ein Dasein als prominentes Sujet der Kunst führt, gilt das Puppenspiel als – wiewohl niedere – Kunstform selbst. Eben sie hat Heinrich von Kleist in seinem unvergleichlichen Gespräch "Über das Marionettentheater" gar für eine Geschichtsphilosophie der Menschheitsentwicklung fruchtbar gemacht. Die unübertreffliche Grazie der Gliederpuppe symbolisiert in dem Text in leiblicher Hinsicht die hypostasierte, eben vorausgesetzte anfängliche Unschuld des Menschen.

Reichlich Anschauungsmaterial für die Anmut der Marionette bietet derzeit das Zürcher Museum für Gestaltung in einer Ausstellung, die schon im Titel "die Puppen tanzen" lässt. Seit hundert Jahren sammelt das Ausstellungshaus Marionetten; in einem Querschnitt präsentiert es jetzt seinen hochkarätigen Figurenbestand. Als Empfangskomitee haben in der Eingangshalle des Toni-Areals lebensgroß reproduzierte Marionetten von Sophie Taeuber-Arp ihren Auftritt. Sozusagen backstage widmet sich die Ausstellung auch dem Prozess der Herstellung von Marionetten und dokumentiert vergangene Aufführungen.

Im Mittelpunkt freilich stehen die Marionetten selbst. Wir begegnen so berühmten literarischen Figuren wie Don Quijote oder Doktor Faustus. Nicht weniger illuster sind Kasperle als Handpuppe und der in Zürich fröhlich Kapriolen schlagende Hanswurst. Ihre avantgardistischen Marionetten zu Carlo Gozzis Stück "König Hirsch" schuf Sophie Taeuber-Arp 1918. Im selben Jahr tanzten Otto Morachs kubistische Figuren in Claude Debussys Ballett für Kinder "La boîte à joujoux".

Termine: Museum für Gestaltung, Pfingstweidstr. 96, Zürich. Bis 10. Sept.,
Di bis So 10–17 Uhr, Mi bis 20 Uhr