Der Botschafter der Liebe

Peter Disch

Von Peter Disch

Mo, 25. September 2017

Rock & Pop

Zum Tod des amerikanischen Soulsängers Charles Bradley.

Demütig, ohne Verbitterung, auf das Erlösungsversprechen seines christlichen Glaubens vertrauend, hat Charles Bradley immer sein Kreuz getragen. Erst das eines harten und schweren Lebens. Dann, als die Welt spät, aber nicht zu spät entdeckte, welch großartiger Soulsänger er war, trug er es stellvertretend für alle, die eines seiner Hochämter der Liebe besuchten. Denn das waren die Konzerte des Musikers, der am Samstag in New York im Alter von 68 an Krebs gestorben ist.

In einem Alter, in dem sich andere in ihr Schicksal fügen, nahm Bradleys Leben eine unerwartete, nicht mehr für möglich gehaltene Wendung zum Besseren. Gabriel Roth, Mitgründer des Neo-Soul-Labels Daptone, erkannte das Potenzial des Mannes, der sich seit Ende der 90er in New York als Imitator der Soullegende James Brown durchschlug. Trotzdem dauerte es bis 2011, bis Bradleys Debütalbum erschien. Zwei weitere gefeierte Alben und weltweite Tourneen folgten, die Bradley im Juli 2016 auch zum Zelt-Musik-Festival nach Freiburg führten. Es war ein denkwürdiger Abend im Spiegelzelt. Geprägt von der Inbrunst und der Hingabe eines Mannes, der viel gesehen und dem nichts fremd war. Der die Versuchung so gut kannte wie die Vergebung. Ein Botschafter der Liebe, der seinen Mikrofonständer schulterte und rote Rosen verteilte, und der eine so einfache wie tröstliche Hoffnung verkörperte: Egal, wie schwer es auch kommt, es gibt doch immer einen Ausweg.