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19. Februar 2010

Der Mann hinter William Shakespeare

Kurt Kreiler im Literaturhaus.

  1. Kurt Kreiler bei seiner Lesung im Literaturhaus Basel. Foto: R. Frey

Es ist eines der großen ungelösten Rätsel der Weltliteratur, ja ein richtiger Krimi: das Geheimnis um die wahre Identität des großen Dichters William Shakespeare. Seit gut 100 Jahren geistert die "Oxford-These" durch die literarischen Kreise. Demnach soll der hochgebildete englische Aristokrat Edward de Vere, der 17. Earl of Oxford, unter dem Pseudonym Shakespeare all die berühmten Komödien und Tragödien verfasst haben. Nun wird diese Diskussion neu angeheizt: In seinem Buch "Der Mann, der Shakespeare erfand" untermauert der Münchner Autor Kurt Kreiler diese These.

Bei einem Shakespeare-Abend im Literaturhaus Basel stellte Kreiler seine Biografie über den Earl of Oxford vor und erzählte, wie er mit detektivischer Neugierde und akribischer Recherche den Fall Shakespeare wieder aufrollte. Neu sind die Theorien und Spekulationen ja nicht, die sich um Shakespeare ranken. Schon vor 150 Jahren kamen Zweifel auf, ob der echte William Shakespeare, "der einfache Mann aus Stratford-upon-Avon", wirklich diese anspielungsreichen Werke geschrieben hat.

Die historische Quellenlage ist dürftig, denn über den Mann aus Stratford-upon-Avon weiß man nur relativ wenig. So wurde spekuliert, ob der Philosoph Francis Bacon, der Dramatiker Christopher Marlowe oder gar Königin Elisabeth I. als wahre Verfasser in Frage kommen. In seinem Buch legt Kurt Kreiler nun dar, warum sich seiner Schlussfolgerung nach hinter dem Pseudonym Shakespeare nur Edward de Vere, der Earl of Oxford (1550-1604), verbergen kann. Der Spross aus dem englischen Hochadel erfüllte alle Voraussetzungen an Bildung, Wissen und poetischer Begabung: Als Mündel der Königin genoss er eine hochkarätige Ausbildung und Erziehung, und bewegte sich am Hof Elisabeths I. unter Hochgestellten. Mit 25 Jahren trat er eine Italienreise an, bei der er jene "italienischen Erfahrungen" machte, die in Shakespeare-Stücken verarbeitet sind. "Er war ein wilder rebellischer Geist, ein Feuerkopf, kein angepasster Adeliger" beschreibt Kreiler den jungen Earl.

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Als Autor habe sich der Earl verschiedene Pseudonyme zugelegt – darunter Shakespeare, der "Speerschwinger" –, weil es gegen die Etikette war, dass ein Mann aus diesen Kreisen schöngeistige Literatur veröffentlichte. Indes war es laut Kreiler am Hof Elisabeths bekannt, dass der Earl Theaterstücke für den Hof schrieb. Die Tochter Heinrichs VIII. war eine große Förderin des Theaters und so führten die Schauspieltruppen ihre Stücke am königlichen Hof auf und gingen dann auch auf öffentliche Bühnen – mit populäreren, verkürzten Fassungen. "Man könnte sagen, sie kamen ins Fernsehen...", vergleicht es Kreiler.

Mit Beweisen schwarz auf weiß kann der Autor allerdings nicht dienen, denn dieses Rätsel Shakespeare könne nicht "über Mumien, Knochen oder Papier" gelöst werden. Spannend wie ein Krimi ist es aber allemal.



Autor: ros