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20. Juli 2012

Der Plauderer und seine Hits

Hubert von Goisern betörte sein Publikum im ausverkauften und heißen ZMF-Zirkuszelt.

  1. Mit kleiner Band unterwegs: Hubert von Goisern (Mitte) Foto: Wolfgang Grabherr

Auf der Bühne stehen drei rote Lampen, kein "Rotlicht", sondern Stehlampen, wie man sie auf den Couchtisch stellt. Es ist ein Abend mit Hubert von Goisern, quasi bei ihm daheim, jedenfalls ein persönlicher Abend. Dabei ist es kein intimes Konzert. Das ZMF-Zirkuszelt war schon seit Wochen ausverkauft. Der österreichische Sänger, Entertainer und Multiinstrumentalist ist bei den Fans so beliebt wie nie. Seine jüngste CD "Entwederundoder" hat seiner Karriere noch einmal einen richtigen Schub gegeben.

Auf der Bühne steht er barfuß, graue Hose, dunkles Hemd. Er ist jetzt 59 Jahre alt, sieht aber immer noch unverschämt gut aus, schlank, kraftvoll, charakterstark.

Mit dabei hat er nur eine kleine Band – drei junge Musiker, die wohl alle halb so alt sind wie er, Schlagzeuger Alex Pohn, Bassist Helmut Schartlmüller und vor allem Gitarrist Severin Trogbacher.

Das Konzert beginnt experimentell. Mit dekonstruierter Volksmusik unter dem Titel "üuoö" – was für "über-unter-ober-österreich" steht. Viel E-Gitarre, etwas schräges Akkordeon und am Schluss ein überraschend harmonischer Chorgesang. Das Publikum, im Schnitt kaum jünger als der Star, reagiert erstmal abwartend. Wer weiß, was sich Goisern jetzt wieder ausgedacht hat. Auch andere Stücke der neuen CD, die die erste Hälfte des Konzerts prägen, erweisen sich live als eher sperriger Dialekt-Bluesrock. Das spricht nicht alle gleich an.

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Aber Goisern betört sein Publikum trotzdem. Allein mit seinen Ansagen. Da spricht er über Indianer, christliche Heilige und die Klarinette, deren Charme sich ihm erst mit 40 Jahren erschloss. Goisern kann über alles plaudern, so charmant und selbstironisch, da würde man wohl selbst für einen Abend voller Überleitungen gern einiges Geld bezahlen.

Im zweiten Teil des Konzerts werden die Ansagen weniger und die Hits häufiger. "Goisern", "Merzedes-Benz" und "Buama stehts zam im Kroas". Die kleine Band-Besetzung funktioniert prächtig, schafft einen klaren transparenten Sound. Und Goisern wechselt ständig die Instrumente, von der Ziehharmonika zu verschiedenen Gitarren, von der Maultrommel über die Mundharmonika zum Keyboard und natürlich dann auch zur Klarinette.

Nach rund 90 Minuten spielt er ein neues Stück, "Lebwohl" – und niemand hätte sich beschwert, wenn das Konzert jetzt zu Ende gewesen wäre. Aber als Abschiedsstück habe sich die Ballade über ein lakonisches Beziehungsende nicht bewährt, erklärt Goisern, so traurig wolle er die Fans nicht nach Hause gehen lassen.

Also geht’s noch mal richtig los, jetzt mit krachig arrangierter steierischer Volksmusik. Und Roadie Hannes darf als tanzender Animateur auch mal auf die Bühne. Goisern hat jetzt die Ziehharmonika umgeschnallt, Bass und Schlagzeug spielen komplizierte jazzige Sachen dazu.

Dann der Hit "Brennen tuat’s gut", ein Stück über Geld, seine erste Chart-Nummer Eins – in Österreich. Weitere Zugaben, darunter "weit weit weg" und "heast es net" aus der Zeit mit den Alpinkatzen in den 90er-Jahren, als er bekannt wurde. Da wird es im Zirkuszelt immer heißer, das Publikum wird immer seliger, singt mit und hängt Goisern an den Lippen. Ein gelungener Abend.

Autor: Christian Rath


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