Ausstellung

Der Riegeler Telemach Wiesinger zeigt in Emmendingen Fotokunst

Georg Voß

Von Georg Voß

Di, 12. Februar 2019 um 10:35 Uhr

Emmendingen

Ein Reisender mit der Kamera: Das Fotomuseum zeigt fotografische Werke des in Riegel lebenden Bildkünstlers Telemach Wiesinger

EMMENDINGEN. Ein "Reisender mit Kamera", so lautet der Titel der Ausstellung des in Riegel lebenden Fotografen und Bildkünstlers Telemach Wiesinger, dessen fotografische Arbeiten und festgehaltenen Reisestationen aus seiner Bildserie "Logbuch" nun im Fotomuseum Hirsmüller im Markgrafenschloss bis zum 28. April zu sehen sind. Gleich zur Ausstellungseröffnung am Sonntag präsentierte Wiesinger sein Logbuch mit den sehenswerten Ergebnissen seiner Reise mit der Kamera in einer multimedialen Bildershow.

Dazu steuerte der angehende Filmmusiker Manu Mühl adäquate Soundcollagen bei. Die gezeigten Landschaften, Gebäude und Industrieanlagen sind alle in analoger Schwarz-Weiß Technik gehalten und lehren das Sehen und Blick zu schärfen auf die künstlerische Umsetzung des Gesehenen. Es gilt, den Blick auf Dinge zu richten, die sonst verborgen bleiben oder nicht wahrgenommen werden.

Ein Spiel mit gegensätzlichen Formen

Telemach Wiesinger ist ein Suchender mit der Kamera, der aber auch zielstrebig seine Motive findet. Zu sehen ist in der Ausstellung etwa die hochaufragende und leblos wirkende nüchterne Fensterfront eines Hochhauses, fotografiert aus der Froschperspektive. Davor der lange Mast einer Laterne mit kreisrundem Schirm, der mit einer Art Leuchtreklame korrespondiert, die auf einer schmutzig wirkenden Betonplattenhauswand montiert ist. Darauf ist in einer Raute eine Tasse mit Untertasse eingefasst, aus der zwei sich nach oben schlängelnde Dampfsäulen ragen. Genau in der Mitte zwischen Raute und Schirm scheint ein Stück gelochtes Papier oder Stoff aus den Fenstern herauszuhängen. Etwas, was bei der Bildentwicklung entstanden ist.

Telemach Wiesinger nennt dieses fotografische Werk dann auch "Nahe Alexanderplatz". Und sagt: "Das zufällige Zeugnis meiner analogen Bildentwicklung korrespondiert – wie beabsichtigt – mit dem Motiv." Es ist ein Spiel mit gegensätzlichen Formen, aber auch diese Kontraste zwischen Licht und Schatten, die Verbindung zwischen Realem und Nicht-Existentem sind es, die seine Fotokunst ausmachen und eine angenehme Spannung im Bild erzeugen, die den Betrachter zudem auch verweilen und nachdenken lässt.

Telemach Wiesinger bedient sich dieser Kontraste in seiner Bildkunst eifrig. So zeigt eine Fotografie grasende Kühe auf einer Weide mit weiter offener Landschaft, in deren Vordergrund ein schlanker Baum emporragt. Vor dem Baum steht noch ein Straßenschild mit dem Schriftzug "Nordpol", auch wenn Schnee und Eis natürlich hier fehlen. Andere Fotografien führen den Betrachter in die Welt der Containerhafen nach Tanger-Med in Marokko oder zum europäischen "Ende der Welt" nach Slea Head, Irland, oder Lands End, England.

Neben diesen Stationen zeigt das Logbuch von Wiesinger auch einen Arbeiter, der in einer Maschinenhalle das Steuerungselement einer Maschine bedient, die sich hinter einer durchsichtigen Schutzwand befindet. An der rechten Bildseite hängen verschiedene Kabel und Schläuche herunter, die das Bild förmlich auch abrunden. Hier in diesem Bild gibt auch Telemach Wiesinger die Koordinaten an. Das fotografische Werk hat er entsprechend betitelt: "Die Angaben im Koordinatensystem lauten ganz präzise: 48° 07‘ 13.7"N 7° 51’11.6" E." Beim Schauplatz handelt es sich, ganz präzise, um eine Maschinenhalle des Emmendinger Wehrle-Werks.

Fazit: Ein Rundgang durch die Ausstellung im Fotomuseum Hirsmüller lohnt sich. Es sind noch weitere Orte zu entdecken, die Telemach Wiesinger als Reisender mit der Kamera festgehalten hat.

Info: Die Ausstellung "Reisender mit Kamera" mit Werken von Telemach Wiesinger ist noch bis 28. April geöffnet. Öffnungszeiten des Fotomuseums Hirsmüller im Markgrafenschloss: Mittwoch und Sonntag von 14 bis 17 Uhr, sowie nach Vereinbarung.