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10. Juni 2010

WM-Song "Waka Waka": Spiegel der Globalisierung

Interview mit der Band Freshlyground

  1. Repräsentieren Südafrika musikalisch: Freshlyground Foto: pro

Sie sind die musikalischen Botschafter der Regenbogen-Nation Südafrika. In ihrem politisch eingefärbten Gute-Laune-Pop vereinen sie Traditionen aus dem ganzen Süden des Kontinents, in ihrem Personal schwarze, farbige und weiße Musiker: Freshlyground aus Kapstadt haben mit Shakira den offiziellen WM-Song "Waka Waka" eingespielt und treten heute Abend beim Fifa-Konzert in Soweto auf. Im Juli kommen sie dann zum Stimmenfestival. Stefan Franzen sprach mit Geigerin und Sängerin Kyla-Rose Smith, Drummer Peter Cohen und Keyboarder Shaggy Scheepers.

BZ: Das kommende Freshlyground-Album heißt "Radio Africa". Kann man das panafrikanisch verstehen – eine Radiostation, in der alle musikalischen Farben Afrikas vorkommen?
Kyla-Rose Smith: Unsere Idee war folgende: In Afrika ist das Radio immer noch eine wichtige und reiche Quelle, um alle möglichen Arten von Musik und Infos zu bekommen, das geht dort auch noch jenseits der visuellen Medien. Es ist also eine nette Vorstellung, dass unser Album durch die Radiostationen in ganz Afrika transportiert wird und wir den Kontinent auf diese Weise umarmen können.

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Shaggy Scheepers: Mehr als auf den früheren Alben haben wir traditionelle afrikanische Instrumente eingebunden, das Daumenklavier Mbira, die Marimba. Da wir auch Mitglieder in unseren Reihen haben, die aus Mosambik und Simbabwe kommen, kann man sagen, wir repräsentieren durch den Sound und unsere Besetzung den ganzen Süden Afrikas.
BZ: Ist Freshlyground als gemischtrassiges Konzept geplant worden, um eine internationale Signalwirkung zu erzielen?
Peter Cohen: Wir haben nicht bewusst weiße, schwarze und farbige Musiker gecastet, um sie miteinander auf die Bühne zu stellen, das war einfach ein natürlicher Findungsprozess, wie wir als Band funktionieren können. Südafrika hat elf Nationalsprachen, doch wir bedienen uns nur der Idiome, die wir auch wirklich sprechen, also Xhosa, die Sprache unserer Leadsängerin Zolani Mahola, und Englisch.
Smith: Wir sind auch keine Pioniere, es gab ja vor uns schon gemischte Bands in Südafrika. Doch uns haut immer wieder um, wie viele verschiedene Leute wir unter unseren Fans versammeln, alle Altersgruppen, alle Hautfarben, alle sozialen Schichten. Und das ist wirklich selten in unserer Heimat.
BZ: Der Freshlyground-Sound geht schnell ins Ohr, die Texte dagegen haben auch mal Ecken und Kanten. Sind Sie eine politische Band?
Smith: In unserem Land, bei unserer Vergangenheit geht es gar nicht anders als politisch zu sein. Es ist aber nicht so, dass wir direkt die Regierung anprangern. Wir singen darüber, dass die Gier, der Materialismus in Südafrika erschreckend zugenommen hat, oder dass die breite Masse, die das Land eigentlich am Laufen halten sollte, ohne Arbeit ist.
BZ: Zusammen mit Shakira sind Freshlyground im offiziellen WM-Song der Fifa, "Waka Waka”, zu hören. Wie sind Sie an diesen Job gekommen?
Cohen: Im Februar hielten wir uns in New York auf, um unser neues Album zu mixen. Ein Typ namens John Hill arbeitete zur gleichen Zeit im gleichen Gebäude an diesem Shakira-Song und kam zwischendurch rein, um unseren Produzenten Fab zu besuchen. Er sagte zu ihm: "Hör mal, ich brauche ein bisschen südafrikanischen Input." Es war reiner Zufall, dass wir gerade da waren. Hill hat uns den Song vorgespielt, und wir haben für ein paar Passagen unsere Ideen beigesteuert. Er war begeistert, wir flogen zurück nach Südafrika und hörten nichts mehr, und das für Monate. Endlich teilte man uns mit, dass es einige Parts unseres Beitrags in den Song geschafft haben und dass er von der Fifa als offizieller Song für die WM ausgewählt worden war. Eine gute Sache für uns, international hat das für uns Einiges ins Rollen gebracht.
BZ: Haben Sie Shakira überhaupt bei den Aufnahmen getroffen?
Smith: Nein, sie hatte ihren Teil schon eingesungen, aber inzwischen haben wir in Los Angeles gemeinsam für das "Waka Waka"-Video vor der Kamera gestanden.
BZ: Eine Kolumbianerin zusammen mit einer südafrikanischen Band – passt diese Kombination denn aus Ihrer Sicht?
Smith: Die nächste WM findet in Lateinamerika statt, also passt dieser Link prima. Der Chorus des Songs ist außerdem aus einem kamerunischen Hit der Achtziger entlehnt, von einer Band namens Golden Sounds. Das ergibt also ein seltsames Triumvirat: Eine südafrikanische Band, die mit einer kolumbianischen Künstlerin zusammenarbeitet, und beide greifen einen kamerunischen Song auf. Ich finde das großartig, denn es spiegelt die Globalisierung wider.
BZ: Es gibt ja eine Menge Kritik an den Geschäftspraktiken der Fifa. Was glauben Sie, kann die WM für Südafrika überhaupt Positives bewirken?
Cohen: Es wäre toll, wenn das südafrikanische Team weit kommt, das allein würde schon eine Menge Nation Building garantieren. Was die wirtschaftlichen Auswirkungen angeht: Wir sind nicht das erste Land, das sich den Richtlinien der Fifa unterwerfen muss. Sicherlich ist Vieles von dem wahr, was an schlechten Meldungen kursiert, eine Menge schnelles Geld verlässt das Land. Doch Südafrika hat einen Deal mit der Fifa gemacht, und die Bestandteile des Vertrags waren lange, bevor alles begann, klar. Ich will damit nichts entschuldigen, aber das sind ja keine Kinder, die nicht wissen, auf was sie sich da eingelassen haben.
BZ: Wie denken Sie über die Chancen der südafrikanischen Mannschaft bei der WM?
Scheepers: Wir denken, sie werden sich gut schlagen. Das erste Match gegen Mexiko wird wichtig, wenn die Jungs das gewinnen können und ein Hochgefühl bekommen, dann ist das Viertelfinale, das Halbfinale möglich. Wenn sie aber gleich rausfliegen sollten, wird sich eine große Traurigkeit übers Land legen.

– Konzert: Lörrach, Stimmenfestival, Rosenfelspark, Mi, 28. Juli. BZ-Kartenservice Tel. 01805/556656*

DAS WM-KONZERT

Am Tag vor der Eröffnung der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika findet heute Abend im Orlando Stadium in Soweto bei Johannesburg ein großes, von der Fifa organisiertes Festivalkonzert statt. Das ZDF überträgt es live von 20.15 Uhr bis 23 Uhr, einer der deutschen Kommentatoren ist Thomas Gottschalk. Auf der Bühne stehen Weltstars wie Shakira, Juanes und Alicia Keys sowie die Black Eyed Peas, aber auch südafrikanische Bands wie Fresh-lyground, Blk Jks und The Parlotones sowie der Soweto Gospel Choir.  

Autor: BZ

Autor: fra