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12. Februar 2014

Die Farben von Regen und Nebel

Albi Maiers eigenwillige "Hommage an den Schwarzwald" im Kunstforum Waldkirch im Georg-Scholz-Haus.

Albi Maier malt nur, was er kennt. Diese – zugegeben – plakative Aussage lässt sich derzeit im Waldkircher Georg-Scholz-Haus überprüfen. Dort ist der Künstler mit der Ausstellung "Hommage an den Schwarzwald" zu Gast.

Albi Maier ist Schwarzwälder durch und durch. Geboren in Lenzkirch, lebt und arbeitet er in Titisee-Neustadt. In seinem Werkstatt-Atelier setzt er sich mit gleich zwei traditionsreichen Markenzeichen unserer Region auseinander. In der freien künstlerischen Arbeit beschäftigt er sich mit den für den Schwarzwald so typischen Eindachhöfen, als Kunsthandwerker reproduziert und restauriert Maier Uhrenschilder. Dem großzügigen, gestischen Pinselstrich seiner Landschaftsgemälde steht die präzise und solide Herstellung eines handwerklichen Produktes gegenüber.

In Waldkirch präsentiert Maier mit knapp 60 Werken einen breit angelegten Querschnitt durch sein neueres künstlerisches Werk. Den Uhrenschildmaler erahnt man lediglich bei den Miniaturen, Preziosen im Format von 5,5 auf 5,5 Zentimetern. Die ausgestellten Gemälde zeigen, wie stark Maier aus der Kraft seiner heimischen Umgebung schöpft. In seinen zumeist dunkeltonigen Bildern geht es um Elementares. Etwa darum, wie sich die Gehöfte im Winter in den Schnee hinein ducken oder wie Regen und Nebel den Himmel und die Erde zu einer grau-grünen Fläche zusammenziehen. Diese Stimmungen hat er wohl genau so empfunden, wie er sie zeigt, sie sind echt und wollen keine Idylle vortäuschen. Für die Vermarktung der Region im Hochglanzprospekt sind Maiers Schwarzwaldbilder gänzlich ungeeignet. Seine Liebeserklärungen an die Heimat sind frei von Schwarzwälder Kirsch.

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Spannend wird es immer dann, wenn das ungerahmte Bild einen Blick auf die seitlichen Ränder gewährt. Denn hier gibt uns der Künstler überraschende Einblicke in die Vielzahl der Farbschichten und in das reiche Spektrum der Farben, aus denen sich seine Bilder zusammensetzen. Wer hätte gedacht, dass unter dem stumpfen Grün und Grau des neblig düsteren "Grundhof" von 2012 ein leuchtendes Orange und ein zartes Hellblau zu finden ist? Dass Albi Maier ein Forscher auf dem Gebiet der Farbe ist, belegen auch seine mehrteiligen Arbeiten. In zwei-, drei- und vierteiligen Kompositionen flankieren monochrome Tafeln die Landschaftsdarstellung. Sie greifen einen Farbaspekt auf und erproben ihn innerhalb eines klar begrenzten Farbfeldes. Diese minimalistischen Abschnitte bilden ein Extrakt, sind eine intensive Form der Reflexion über das Gesehene und Gespeicherte. Sie repräsentieren das, was Albi Maier aus seinen Wurzeln zieht.


– Georg-Scholz-Haus. Kunstforum Waldkirch, Merklinstr. 19. Bis 23. Februar, Donnerstag 17–20, Freitag und Samstag 15–18, Sonntag 10–13 Uhr.

Autor: Antje Lechleiter