Die Guten und die Bösen

Silvia Hallensleben

Von Silvia Hallensleben

Sa, 03. Juni 2017

Kino

NEU IM KINO: In "Code of Survival" geht’s um Gentechnik.

Im filmischen Ökoaktivismus ist eine Rhetorik des Kontrasts populär, die Beispiele umweltschädlicher Misswirtschaft gegen positive Alternativen montiert. Auch in Bertram Verhaags neuestem Film "Code of Survival" ist das so. Da setzt der Filmemacher einigen eher kurzen Visiten im industriellen Hightech-Landbau drei biodynamisch wirtschaftende Ökoprojekte gegenüber: die "Sekem", die als Familienbetrieb seit 1978 in großem Stil Kräuter und Gemüse in der ägyptischen Wüste anbaut und vom Ertrag Bildungs- und Sozialprojekte finanziert; die ähnlich vorbildliche Ambootia-Tee-Plantage in Darjeeling; und Franz Aunkofer, der seit 1987 im bayerischen Kelheim einen Biohof mit Schweinezucht führt.

Das Böse sitzt hier in den USA, wo Farmer mit nur einem Traktor riesige Monokulturen mit genmanipulierten Mais- oder Sojapflanzen bestellen. Das ist zuerst lohnend, doch spätestens wenn sich auch beim Unkraut erste Resistenzen entwickeln, beginnt eine unheilvolle Spirale herbizidärer Aufrüstung. Überhaupt handele es sich bei solcher Agro-Gentechnik um eine grundsätzlich "perverse Anbaumethode", sagt Verhaag in seinem Kommentar, weil ihr Wirkungsprinzip auf der großflächigen Vergiftung der Böden beruhe. Andere Spätwirkungen sind zum Beispiel aus Oberflächenverkrustungen resultierende Überschwemmungen, Erosion und schwindende Fruchtbarkeit.

Der Kontrast zwischen solchen Giftböden und mikroorganismenreicher Humuserde ist das in verschiedenen Varianten – von eher pragmatischen Überlegungen bis zu anthroposophischer Mystik – durchgespielte Hauptargument des Films. Damit fügt sich Verhaags Arbeit als nicht besonders originelle, aber inhaltlich überzeugende Einzelstimme in den großen Chor derer, die in einer naturnahen Landwirtschaft die Zukunft der Welternährung sehen. Auch wenn man dieser These zustimmt, irritiert doch, dass – wie im Genre leider üblich – große Teile des Films wie ein Imagefilm für die präsentierten Firmen aussehen. Aber wenn’s dem Überleben des Planeten dient!

"Code of Survival" von Bertram Verhaag. Läuft in Freiburg. Ohne Alterslimit.