Die Kreativität aus dem Moment heraus

Alexander Link

Von Alexander Link

Mi, 05. September 2018

Rock & Pop

BZ-PORTRÄT: Die Band Rasga Rasga / Auftritt in Kirchzarten.

Rasga Rasga! Der Bandname steht für eine Partyansage. Und Party machen können Rasga Rasga, die seit ihren Anfängen 2007 in der Stammkneipe in Nürtingen mehr als 250 Konzerte gespielt haben. Die sechs Freunde Franziska Schuster, Jonas Krause, Lukas Fischer, Benedikt Fischer, Felix Kuthe und Gregor Brändle kennen sich seit der Schulzeit. Am Samstag treten sie bei Rock am Bach in Kirchzarten auf.

Die enge persönliche Bindung der Bandmitglieder sorgt für eine intime Atmosphäre bei den Konzerten. 2016 und 2017 veranstalteten sie ihr eigenes kleines Festival auf der thüringischen Burg Lohra. Das dort aufgenommene Video zu ihrem Song "Le Grand Libois" wirkt deshalb wie ein Konzert für den Freundeskreis im eigenen Garten.

Rasga Rasga machen Musik deren Einflüsse von Brass, Ska, Gypsi, Balkan, Latin, Pop, Rock bis hin zu Folklore reichen – man könnte auch sagen: Weltmusik. Mit zehn Instrumenten und drei Gesangsstimmen animieren sie auf der Bühne und in ihren Videos ihre Fans zum ausgelassenen Tanzen: Franziska Schuster singt und spielt Akkordeon, Lukas Fischer Trompete, Bellfront und Bassposaune, Jonas Krause Geige und Posaune, Benedikt Fischer singt, spielt Gitarre und Banjo, Gregor Brändle ist Bassist und Sänger, und Felix Kuthe sitzt am Schlagzeug.

Auf ihrem ersten Album "Ju Haf Tu Danz!" von 2012 sind überwiegend spanischsprachige Songs, die im Balkan- und Brassstil mit Titeln wie "Mueve Tu Culo" zum Tanzen und Ausgelassensein auffordern. Ihre 2014 erschienene EP "Anhelo" geht noch treibender nach vorne und klingt wie eigens für die vielen Liveauftritte konzipiert. "Dadurch, dass wir die Songs für die EP schon 2013 geschrieben haben, hatten wir sehr viel aufgestautes Kreativpotenzial und ließen uns besonders von elektronischer Musik inspirieren, ohne uns dabei von Genregrenzen einengen zu lassen", erklärt Brändle.

Es ist durchaus bemerkenswert, dass Rasga Rasga auch nach zehn Jahren immer noch Musik zusammen machen. Denn nach dem Abitur verteilten sich die sechs Freunde deutschlandweit in alle Himmelsrichtungen. Trotz der unterschiedlichen Pläne und entfernten Studienorte aber stand das Bandprojekt im Mittelpunkt, so Brändle: "Auch in Zeiten, wo es schwierig war, die Band und die individuellen Lebensentwürfe unter einen Hut zu bringen, haben wir gemerkt, welchen großen Stellenwert die Musik für uns hat, und, dass wir das Ganze aufrechterhalten und nach Möglichkeit noch intensivieren wollen."

Ihr neuestes Studioalbum "Hafen Fleur" erschien im März 2018 und ist das Ergebnis ihrer Neuerfindungsphase, die im September 2016 in Köln begann. Dafür unterbrachen sie alle ihre Studien für ein halbes Jahr und zogen zusammen nach Köln. Eine gewagte Entscheidung? Gregor resümiert: "Das war das einzige Zeitfenster, das für alle passte. Außerdem haben wir gemerkt, dass uns trotz der vielen Auftritte der kreative Input und die Zeit fehlt, um uns weiterzuentwickeln und neue Songs zu schreiben." Während der gemeinsamen Zeit in Köln wollten sie sich nochmal neu erfinden, sich kreativ ausleben, um auch auf der Bühne ein ganz anderes Potenzial zu entfalten. Bei Rasga Rasga werden alle Entscheidungen so lange ausdiskutiert, bis sie von allen getragen werden, deshalb gibt es auch keinen Bandleader.

"Hafen Fleur" ist ihr erstes richtiges Studioalbum, für das sich die sechs Musiker in unzähligen Jamsessions in den Probenraum gesetzt haben. Die Reflexionen über Stimmungen und Gefühle der intensiven Köln-Zeit und der vergangenen vier Jahre entfalten sich in den zwölf Songs auf Deutsch, Französisch, Englisch und Spanisch. Der Sound der Platte ist ebenso facettenreich und begleitet die in den Texten erzeugten Bilder vom melancholischen "Laila" bis hin zu den euphorischen Songs "Dandelions" und "Sonrisa". Letztere entwickeln durch den gekonnten Bläsereinsatz kontrastreiche Spannungsbögen.

Rasga Rasga nutzen beim Songschreiben die Kreativität aus dem Moment heraus: "Jeder bei uns schreibt seine Stimme konsequent selber. In die Probe kommt man dann mit einer Idee, einem Akkordschema oder einer Melodie, und wir verwenden das als Ausgangspunkt." Die Leitrolle in Sachen Inspiration variiert dabei auch jedes Mal – sei es in Person der Rhythmusgruppe, der Sängerin Franziska Schuster oder des Trompeters Lukas Fischer. Zum Abschluss des Songwritings zum Album haben sich Rasga Rasga fünf Tage in einen Probenraum in der Pfalz eingeschlossen, um die Spannungsbögen jedes einzelnen Songs auf Kohärenz und Kontraste zu prüfen.

Im Frühjahr 2018 gingen Rasga Rasga auf "Hafen Fleur Tour". Dabei spielten sie im April auch im Freiburger Jazzhaus, wo sich Gregor Brändle an "ein überwältigend-berauschendes Konzert" erinnert: "Ich glaube, wir sind eine Band, die sehr gut zu Freiburg passt. Es wird uns hier leichter gemacht als in anderen Städten, weil das Publikum den Vibe und die Gefühle, die wir transportieren, super annimmt." Außerdem kümmert sich die Freiburger Booking Agentur Black Forest Voodoo, die auch für Äl Jawala und Malaka Hostel zuständig ist, um die Auftritte der Band.

Nach einigen deutschlandweiten Festivalkonzerten kommen Rasga Rasga jetzt wieder nach Südbaden. Gregor Brändle freut sich auf Rock am Bach: "Ich finde es berauschend, wie sich ein Vibe auf Konzerten entfaltet und die letzte halbe Stunde in einem emotionalen Tanzrausch verschwindet." Die Konzerte am Ende des Festivalsommers sollen für die Band und ihr Publikum nochmal sehr spannend werden, da die Grundabläufe stimmen und dadurch Platz für Neues ist – für neue Interaktionen und spontane Ideen. Rasga Rasga fühlen sich auf den sympathischen, kleinen Festivals am wohlsten.

Rock am Bach, Engenwaldgelände in Kirchzarten am 7./8. September, jeweils ab 16 Uhr: Es treten auf: Birth of Joy, Mama Magnet, The Skaletons, Die Haiducken, Cosmic Mints (Freitag), Rasga Rasga, Götz Widmann, Gigolo Reinhardt-Jazztett, Harvey Rushmore and the Octopus, Danjo (Samstag).