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28. August 2010 00:08 Uhr
Das neue Besucherzentrum der Grube Messel
Die Urpferdchen laufen sehen
Die Grube Messel bei Darmstadt ist weltbekannt für ihre Versteinerungen im Ölschiefer. Jetzt wurde ein neues Besucher- und Informationszentrum eröffnet.
Die ehemalige Ölschiefer-Abbaustätte Grube Messel bei Darmstadt ist ein "Fenster zur Urzeit", eine Fundgrube für Paläontologen. 1997 wurde es Unesco-Naturwelterbe, als erstes Naturdenkmal in Deutschland. Dabei sei es nicht einfach gewesen, die Planungen für das als Mülldeponie vorgesehene Areal zu stoppen, daran erinnerte Ministerpräsident Roland Koch jetzt bei der Eröffnung des neuen Besucher- und Informationszentrums (BIZ). Das Land Hessen hatte schließlich für 20 Millionen Mark das Terrain erworben. Heute könne man mit einem "gewissen Stolz und Selbstbewusstsein" auf diesen "kurzen(!) Zeitraum der Weltgeschichte von 47 Millionen Jahren" schauen. Hier sei die Entwicklung der Welt konserviert worden. Der Regierungschef: "Das ist ein Schatz." Er hoffe, dass möglichst viele Schulklassen, Besucher und Wissenschaftler ihn nutzen. Und die hessische Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann sagte, an Messels Bürgermeister Udo Henke gewandt, sie sei "stolz und froh", dass er sich durchgesetzt habe, dass die Grube nicht als Deponie verfüllt wurde. Henke habe immer erklärt: "Ich will die Urpferdchen laufen sehen." Am kommenden Dienstag geht er in den Ruhestand. Der Direktor des naturkundlichen Frankfurter Senckenberg-Museums, Volker Mosbrugger, versicherte, die Wissenschaftler wollten dieses Juwel nicht nur heben, sondern seinen Wert auch vermitteln.
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Das in Sichtbeton gebaute und vom Land und dem Bund finanzierte BIZ mit seinen Themenräumen – Kosten: 9,6 Millionen Euro – ist ein Schmuckstück. Das Münchner Architekturbüro Landau + Kindelbacher leitete die Grundidee für das Haus von der Schichtung des Ölschiefers ab. Es offeriere, so die Geschäftsführerin der Welterbe Grube Messel GmbH, Marie-Luise Frey, ein "vollkommen neues Ausstellungskonzept". Statt einzelner Stücke erwarten den Besucher raumfüllende Inszenierungen. Neben der Wissensvermittlung stehen die Ästhetik der Grube sowie die Faszination ihrer Erforschung nebst den Ergebnissen im Vordergrund.
Ein Highlight dürfte für viele der Raum "Bohrkern" mit einer virtuellen "Fahrt in die Tiefe" (433 Meter) sein, die eine kaleidoskopische Zeitreise in die Welt des über 47 Millionen Jahre gebildeten Gesteins bietet. Eine Schatzkammer zeigt fossile Funde.
Weltweite Schlagzeilen machte das Dorado für Paläontologen, das sich als solches erst kürzlich in einer großen Ausstellung im Naturkundemuseum in Basel darstellte, auch unlängst noch mit "Ida". Der "Sensationsfund" gilt als das älteste vollständig erhaltene Fossil eines Primaten und stellt das fehlende Bindeglied in der Evolution von Affen und Menschen dar. Die Wissenschaftler erhoffen sich wegen fast täglich neuer Funde weitere Überraschungen.
– Das Besucher- und Informationszentrum ist täglich von 10 – 17 Uhr geöffnet.
Autor: Heinrich Halbig
