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26. Juni 2012
Dort, wo Musik wirklich stattfindet
Das Kammerorchester und das Sinfonieorchester Basel.
Sieben Solisten im ersten Konzert, vier im zweiten; ein Abend mit dem Kammerorchester Basel (Leitung Thomas Herzog), der andere mit dem Sinfonieorchester Basel (Leitung Alan Buribayev): beide Konzerte sachgerecht zu beschreiben, ist nur in einem informativen Bericht machbar. "smart tones" nennt die Hochschule die vier Schlusskonzerte, und im Wortspiel mit "Smartphones" meint das in der Formulierung Stephan Schmidts im Programmheft: …"gehen wir dorthin, wo Musik wirklich stattfindet: in den Konzertsaal."
Da waren wir, und zwar im Großen Saal der Musik Akademie. Den Reigen der Vorspiele eröffnete der Oboist Sergey Finoedov, der Bellinis anfangs "risolutes" Es-Dur Konzert hoch konzentriert, kantabel und mit tänzerischer Leichtigkeit blies. Ihm folgte die Sopranistin Amelia Scicolone, die in einer Arie aus Mozarts "Entführung" aufhorchen ließ und in der schweren Arie "Vorrei spiegarvi, oh Dio" (KV 418) beeindruckte und überzeugte. Alles ist mehr als nur im Ansatz da: angenehmes Vibrato, klare Artikulation, reine Höhen, empfindsamer, genauer Ausdruck und, vor allem, ein verführerisches Timbre. Und noch ein Mozart. Die Flötistin Jessie Gu blies Adagio und Rondo aus KV 313 und das klang bei makelloser, variabler Tonbildung ungetrübt schön. Musikalisch etwas derber ging es in Hummels Trompetenkonzert in Es-Dur zu, dem Manuela Fuchs mit ihrem klaren Ton neben allem Fanfarenmäßigen auch empfindsame Passagen entlockte.
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Nach der Pause gab es jeweils ovationsartigen Beifall für den Gitarristen Fabián Cardozo, den Altsaxophonisten Angel Soría Diaz und die Pianistin Camilla Köhnken. Cardozo erwies sich in Villa-Lobos’ Konzert als ebenso brillanter Solist wie Diaz in Glazunovs Es-Dur Konzert. In beider Spiel verbanden sich virtuose Spieltechniken mit wacher und sensibler Musikalität. Und beider Spiel wurde zum Hörerlebnis.
Die einzige "Diplomantin" des Abends war die Pianistin, die Liszts "Malédiction" in steter Übereinstimmung mit dem Kammerorchester spielte und gleich zweifaches Staunen auslöste: Wie sie diese effektvolle und hoch emotionalisierte Musik eines Sechzehnjährigen im Geist und in den Fingern hatte, das war höchst beeindruckend.
Den 2. Abend eröffnete der Cellist Benjamin Gregor-Smith mit William Waltons Cellokonzert von 1954. Schwierige Musik, doch bewundernswert und mit der Sicherheit des soeben erworbenen Solistendiploms gespielt. Ihm folgte Valentyn Valentiyev, der sich zurzeit aufs Solistendiplom vorbereitet, mit dem 1. Satz aus Griegs a-Moll Klavierkonzert. Was die Musik verlangt, wurde virtuos und einfühlsam erfüllt. Was soll da noch schiefgehen?
Nach der Pause unterhielten die beiden Geiger Sebastian-Mihai Tegzesiu und Alfonso Fesch mit je zwei Sätzen aus Schostakowitschs a-Moll Konzert op. 77. Der eine ist in Vorbereitung aufs Solistendiplom, der andere hat das noch vor sich. Beide sind ganz hervorragende Geiger, wobei Fesch, der eine herrlich sonor tönende Geige spielte, die zwingendere Ausstrahlung hatte.
Bleiben ein paar Nachtgedanken nach zwei hörenswerten Konzerten: Elf hochbegabte, bestens ausgebildete Musiker stellten sich an zwei Abenden vor; fünf taten es bereits im ersten Konzert und fünf junge Komponisten werden es im kommenden Schlusskonzert tun. Und nun? Wie geht es weiter mit ihnen? Welche Chancen werden sie im Musikbusiness haben, das längst auf Effektivität, Rentabilität und Events getrimmt ist?
Autor: Nikolaus Cybinski



