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22. Juli 2009
Ein Dichter für Komponisten
Unstet im Leben, aber einst berühmt als Dichter: Vor 100 Jahren starb Detlev von Liliencron
Dieser aufmüpfige Friesen-Ruf "Lewwer duad üs Slaav!" (Lieber tot als Sklave!) aus seiner Ballade "Pidder Lüng" hat überlebt. Ansonsten freilich ist der Dichter Detlev von Liliencron, der heute vor 100 Jahren 65-jährig einer Lungenentzündung erlag, längst nahezu vergessen. Als Mensch war Liliencron eher unstet. Ursprünglich hieß er Friedrich Adolf Axel Freiherr von Liliencron, den neuen Vornamen Detlev legte sich der 1844 in Kiel geborene Filius eines Zollbeamten und verarmten Adeligen selber zu. Drei Ehen, wechselnde Berufe und permanente Schulden prägten sein Leben, in das nicht zuletzt durch ein von Kaiser Wilhelm II. spendiertes Ehrengehalt erst spät etwas Ruhe kam. Der Roman "Leben und Lüge" von 1908 trägt autobiografische Züge.
Um 1900 herum zählte Liliencron zu den angesehensten Autoren Deutschlands. Er, dessen Œuvre sich nur schwer literarisch einordnen lässt. Als Lyriker gehört er indes zu den konsequentesten Vertretern des deutschen Impressionismus, einer neuen wirklichkeitsnahen Dichtung, die sich vom klassisch-romantischen Epigonentum wohltuend abhob. Vor allem jedoch war er ein Meister des ungekünstelten, in knappen Strichen die Details erfassenden lyrischen Augenblicksbildes.
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Mehr als 100 Lieder entstanden nach Texten Liliencrons, darunter von Liedkoryphäen wie Brahms und Richard Strauss. Den damals 26-jährigen Max Reger inspirierte ein Liliencron-Gedicht im Sommer 1899 zu einem der besten seiner fast 300 Klavierlieder: "Glückes genug" op. 37 Nr. 3 – auf der schönen Reger-CD von Frauke May (Mezzosopran) und dem in Freiburg lehrenden Bernhard Renzikowski (Klavier) ist es enthalten (Arte Nova 74321 75076 2). "Glückes genug" – ein Titel, den man ja aus Robert Schumanns Zyklus "Kinderszenen" kennt; auch Liliencron oblag dem Klavierspiel. In seiner Dichtung war er ein wacher Beobachter. Es wäre an der Zeit, ihn wiederzuentdecken.
– Detlev von Liliencron: Ausgewählte Werke. Hg. von Walter Hettche. Wachholtz-Verlag, Neumünster 2009, 591 Seiten, 28 Euro.
Autor: Johannes Adam
