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09. Februar 2012

Ein Hauch von Melancholie

Barbara Honigmann las im Basler Literaturhaus.

  1. Barbara Honigmann Foto: Frey

War es Liebe oder war es Theater? Diese Frage lässt Barbara Honigmann am Ende ihrer Lesung im Literaturhaus Basel ebenso offen wie die Identität des Geliebten, über den sie in ihrem neuen Buch "Bilder von A." schreibt. Wer der berühmte Theaterregisseur A. war, mit dem die Ich-Erzählerin in den 70er-Jahren in der DDR eine Liebesbeziehung hatte, ist aber kein Geheimnis mehr. Er wurde schon in etlichen Buchkritiken publik.

Die berührende Liebesgeschichte aus dem Theatermilieu, die Barbara Honigmann leichtflüssig und mit einem leisen Hauch von Melancholie beschreibt, hat autobiografischen Hintergrund. Die Schriftstellerin, mit dem Max Frisch-Preis 2011 ausgezeichnet, hat als Dramaturgin und Regisseurin am Deutschen Theater in Ost-Berlin gearbeitet. In "Bilder von A." lernt die Ich-Erzählerin in Ost-Berlin den arrivierten Theatermann bei einer Kleist--Inszenierung kennen und lieben. Sie: die junge Dramaturgin, "bedingungslose Kleistianerin", Tochter deutsch-jüdischer Emigranten, die vor Hitler nach England geflohen und nach dem Krieg nach Ostberlin gekommen waren. Er: der große unbequeme Theaterregisseur, 15 Jahre älter, der politisches und poetisches Theater machen will, das die Welt verändert. Ein blonder, blauäugiger Preuße, ein "Gewittergoi", wie er im Buch genannt wird.

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Aus der Distanz einer Dekade nach dem Tod des Geliebten wird die Liebesgeschichte des Paares, das so verschieden war, rückblickend erzählt. Aus Erinnerungen, Briefen, Träumen malt die Autorin Bilder von A. Aus Erinnerungszellen entstehen Geschichten. Das Buchcover ziert ein Bild, das Barbara Honigmann gemalt hat: "Der Radfahrer". Es zeigt A., wie er auf dem Rad direkt auf den Betrachter zufährt, mit langen Armen und Beinen, das Gesicht unkenntlich.

Barbara Honigmann liest zum Einstieg eine Episode, in der A. und die junge Frau unbekümmert auf dem Rad durch Ostberlin fahren, sie auf der Fahrradstange, was verboten war und vom Volkspolizisten moniert wird. "Mein Beruf wird Liebhaberin", sagt die junge Frau, die "toll in A. verliebt" ist. Über Nacht bleibt er nie, damit sich keine Alltagstrivialität am Frühstückstisch einstellt. "Da war kein Alltag, nur Poesie, nur Kleist".

"Schreiben heißt Wiederfinden", hat die Schriftstellerin gesagt. Auch in diesem neuen, sehr persönlichen Roman findet sie einen Teil der eigenen Geschichte wieder, geht es um Selbstfindung, um deutsch-jüdische Identität Die Künstlerliebe zwischen A. und der jungen Frau leidet unter räumlicher Entfernung und innerer Distanz, sie driften immer mehr auseinander, ihre Wege teilen sich, A. reist in den Westen aus, der Kontakt bricht ab. Die junge Frau fühlt sich "verletzt, beleidigt, ausgenutzt, abgewiesen". Sie und A. gehen im Bösen auseinander, unversöhnt, die Liebesgeschichte bleibt uneingelöst.

Und doch schwingt immer diese tiefe Verbundenheit, diese Liebe mit. Sie klingt im Buch trauerklagenartig in dem wie ein Refrain wiederholten Satz an: "A. ist jetzt tot". Den Satz habe sie sich, verrät die Autorin, "bei Proust ausgeborgt".

Autor: Roswitha Frey