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21. Dezember 2011

Ein Superheld der guten Taten

An der Richard-Fehrenbach-Gewerbeschule in Freiburg wurde "Der Joker" aufgeführt.

  1. - Foto: -

Es ist hier und jetzt vielleicht nicht der Ort, ein Lob auf das Schultheater im Allgemeinen zu singen. Schließlich ist eine konkrete Aufführung zu würdigen: "Der Joker", die selbst erarbeitete dramatische Fassung eines Romans von Markus Zusak an der Richard-Fehrenbach-Gewerbeschule in Freiburg. Doch als am Ende sich alle Akteure auf der engen Bühne versammeln, mittendrin der Ideengeber, Lichtmacher und ehemalige Schüler Stephen Willaredt, durch eine spastische Lähmung an den Rollstuhl gefesselt, wird einem jäh wieder die Gemeinschaft stiftende Kraft des Schultheaters bewusst: Wie viele Köpfe und Hände und Körper müssen da zusammenarbeiten, damit das Projekt gelingt.

Und es ist gelungen – unter der lang schon im Zweierteam erprobten und bewährten Regie von Hiltrud Hainmüller und Mathias Lauck: zwar nicht so überzeugend wie die sogar im Kleinen Haus des Freiburger Theaters gezeigte Version der Fehrenbach-Theater-AG von Friedrich Dürrenmatts Komödie "Besuch der alten Dame". Aber das liegt wohl vor allem am Stoff: Die Geschichte der Initiation eines modernen Taugenichts in die Gesellschaft ist vermutlich spannender zu lesen als zu spielen, wenn sich auf der Bühne ohne großen Spannungsbogen eine Episode an die nächste reiht, bis Ed Kennedy endlich angekommen ist in seinem Leben – mit Hilfe mysteriöser Spielkarten, die ihm moralisch wertvolle Aufträge geben: eine junge Frau aus den Fängen ihres brutalen Freundes retten, sich am Grab des Vaters mit der Mutter versöhnen, den besten Freund in der seelischen Not unterstützen. Julian Henninger schlägt sich in der Rolle des Lebenslerners wacker. Und er ist nicht allein: Seine ständig miteinander im Clinch liegenden vier inneren Stimmen – schwarz geschminkte Schatten – begleiten ihn auf dem von Bierkästen stapelweise gesäumten holprigen Weg, ermuntern oder warnen ihn, feuern ihn an oder versuchen ihn zu bremsen.

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Das Gute aber wird siegen. Das weiß man, seitdem Ed zu Beginn mehr aus Versehen denn aus Heldenmut einen Bankräuber gestellt hat. Bei seinen Freunden allerdings hat der "Superhero" danach keinen guten Stand mehr – und bei Audrey, in die er verliebt ist, kann er trotz seiner Heldentat einfach nicht landen. Nur sein Hund mit dem ulkigen Namen Türsteher steht treu auch zu ihm – und Simeon Eichhorn jault und apportiert hingebungsvoll mit gutmütigem Hundeblick, was die Boxhandschuhe, die ihm als Pfoten dienen, hergeben: Man muss ihn einfach lieb haben.

Keine schlechte Idee war es, den Autor als Erzähler und Kommentator (Philip Krajweski) mit auftreten zu lassen. Nur eins irritiert: Warum schreibt der junge Mann im Zeitalter der Laptops mit der Feder? Vielleicht ist es diesem altmodischen Utensil geschuldet, dass er der Geschichte ein süßliches Happyend verpasst: Nachdem Ed allen Gutes getan hat, kommt das Gute in Gestalt seiner Audrey ("nun bist du dran") doch noch zu ihm. Doch da rebelliert die Figur gegen ihren Erfinder: Diesen sentimentalen Kitsch macht Ed nicht mit. In dieser Szene, die Willaredt erfunden hat, kommt endlich ein bisschen subversiver Witz ins pädagogisch wertvolle Geschehen. Etwas mehr davon hätte der begeistert gefeierten Inszenierung sicher nicht geschadet.

Autor: Bettina Schulte