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16. Juli 2012

Eine bittersüße Erinnerungsreise

SOMMERSOUND I: Mike an the Mechanics in Schopfheim.

  1. Tim Howar Foto: Martina David-Wenk

Die Zutaten sind perfekt. Sommer, ein lauschiger Platz in einem hübschen Städtchen, dazu Hits aus vier Jahrzehnten des britischen Pop: Der Schopfheimer Marktplatz hätte zum "Place of Love" werden können. Wenn es nicht so geregnet hätte; doch gießt es wie aus Kübeln, ist die Genussfähigkeit eingeschränkt, was nicht heißt, dass das Konzert von Mike and the Mechanics nicht begeistert hätte. Diese Begeisterung blieb aber in Plastikcapes und Regenschirmen verborgen: Wer will auch hüpfen, wenn er einen Schirm in Händen hält? Das Soloprojekt des früheren Genesis-Bassisten Mike Rutherford ist nicht tot, wie viele nach dem Abgang von Paul Carrack dachten. Mit Tim Howar und Andrew Roachford will Rutherford die Erfolge der 80er Jahre wiederbeleben. Er ist kein Bühnentier, der Herr im weißen Hemd – Hitfabrikant, Bassist, Gitarrist, aber keiner, der das Publikum schwelgen macht. Damit der Funke überspringt, braucht er Sänger und Tim Howar und Andrew Roachford gelingt das trotz Regen – nicht zuletzt weil Roachford, das, was vom Genesis-Mythos in den Herzen wabert, ins Jetzt transferieren kann.

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Die Welt ist bunter geworden seit den 80er Jahren und Mike and the Mechanics auch. Andrew Roachford bringt etwas Funk, eine Spur Jazz in den Sound; aber nicht zu viel, denn die in Würde gealterten Teens von einst wollen keine Experimente, wollen das, was Rutherford & Co liefern: Mike and the Mechanics, Genesis und dann auch noch ein bisschen Roachford. Wenn dieser "Another Cup of Coffee" anstimmt und leicht soulig interpretiert, verschmelzen Erinnerungen und Jetztzeit zu einer generationenübergreifenden Mixtur, deren bittere Süße keine Altersgrenzen kennt. Rutherford kramt aber nicht nur tief in der Hitkiste von Mike and the Mechanics; er packt auch einiges aus großen Genesis-Zeiten aus. Aus der Zeit nach Peter Gabriel, was für die Party-Tauglichkeit nur von Vorteil ist. Bei "I Can’t Dance" versucht Tim Howar Phil Collins nahezukommen, was fast scheitert; doch Howar bemüht sich redlich und das Lied erreicht die Bauchzonen des Publikums auch ohne den einstigen Schlagzeuger der Supergruppe. Bei "Follow You, Follow Me", werden gar Erinnerungen an die 70er Jahre wach und Tim Howar, der Bühnenkasper mit großer Stimme verneigt sich respektvoll im Anschluss vor dem Macher des Tophits vergangener Tagen.

Aber Mike Rutherford ist eben auch seit den Achtzigern Mike and the Mechanics gewesen. "Silent Running", einer dieser Tophits, oder "Beggar". "Over my Shoulder" kommt als Zugabe und dann geradezu theatralisch inszeniert als großes Feuerwerk zum Schluss "The Word of Mouth" . Große Namen und Regen: Was beim Lörracher Stimmenfestival vielleicht funktioniert, erweist zeigt sich zumindest am Freitag in Schopfheim als problematisch; auf dem Marktplatz hätten gut auch noch einige Zuhörer mehr den 80er-Jahren ihre Referenz erweisen können. Aber, wer kam, bereute es nicht, trotz durchweichter Schuhsohlen und irgendwann auch triefender Regenkleidung.

Autor: Martina David-Wenk


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