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07. August 2012
Eine heisere und eine stürmische Sängerin
Tanya Stephens und Freshlyground traten zum Finale des Emmendinger African Music Festival auf.
"Wenn jemand meine Songs so sänge, wie ihr sie heute Abend hört, würde ich ihn wahrscheinlich schlagen", witzelte Tanya Stephens. Mit Humor und Plauderei versuchte die Jamaikanerin, ihre enttäuschende Leistung am letzten Tag des diesjährigen African Music Festival auf dem Emmendinger Schlossplatz zu überspielen. Keine Chance. Stephens, seit fast zwei Jahrzehnten eine der führenden jamaikanischen Reggae-Ladies, war heiser.
Ihre Stimme klang zwar angenehm rauchig. Doch den dürftigen Gesangseinlagen fehlte jeglicher Druck. Teils gingen sie kläglich unter, was auch an mangelnder Abstimmung lag: Nach einem hastigen Soundcheck kurz vor Konzertbeginn dröhnte die Band zu laut für Tanyas angeschlagenes Organ. In Normalform hätte sie die Musik locker übertönt – so wie es Nkulee Dube bei ihrem einminütigen Gastauftritt tat. Dazu war Stephens am Sonntagabend schlicht unfähig. Sie suchte ihr Heil in Geplapper, schindete Zeit mit Geschichten, die meist belanglos waren und die sowieso kaum einer verstand.
Andere Künstler hätten wohl davor gekniffen, sich derart angeknackst zu präsentieren, oder leidend und lustlos ein Rumpfprogramm abgespult. Tanya zeigte sich immerhin gut gelaunt und freundlich. Sie bemühte sich, ihr Publikum zu unterhalten, aber scheiterte. Ein Jammer, denn im Vollbesitz ihrer Kräfte kann Tanya Stephens wirklich feurige Gigs abliefern.
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Zum Finale stürmten dann aber Freshlyground aus Südafrika die Bühne und von Beginn ihres Auftritts an die Herzen des Publikums. Auch ohne Shakira, mit der sie vor zwei Jahren den Fußball-WM-Song gesungen hatten, die hier aber keine Sekunde vermisst wurde, überzeugte das Septett vom Kap der Guten Hoffnung mit Lebensfreude und Spontanität.
Kaum eine Band macht ihrem Namen so alle Ehre, wie diese Vertreter des jungen Südafrikas. Basierend auf der Musiktradition ihrer Heimat nehmen sie sich die Freiheit, diese ganz frisch neu zu interpretieren und zu arrangieren. Großen Anteil daran hat Simon Attwell, der mit Flöten mal eher sanfte Töne anklingen läßt, um dann mit dem Saxofon treibende Akzente zu setzen. Neue Soundaspekte verdankt Freslyground aber auch dem Violinspiel von Kyla-Rose Smith.
Vielfach übertrumpft wurde die Verspieltheit von Attwell und Smith jedoch durch die pure Lebensfreude versprühende Sängerin Zolani Mahola. Getrieben vom dynamischen Sound der Kollegen fegte sie wie ein Wirbelwind über die Bühne. Ein kleiner Irrwisch ist die gerade mal 1,55 Meter große Sängerin. Ihre Energie, die sich merklich Raum verschaffen muss, war bis in die hintersten Zuschauerreihen spürbar.
Und auch vom aufziehenden Gewitter ließ sie sich nicht beirren. "Ein gutes Zeichen", kommentierte sie die in bedrohlicher Nähe zuckenden Blitze, um unbeirrt fortzufahren. Klatschnass bis auf die Knochen wurde so auch den meisten im Publikum nicht bang. Rund 800 Besucher zeigten Durchhaltevermögen von Wacken’scher Qualität.
Autor: jls/mzd



