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12. Juni 2012

Eine Krimilesung als Road-Movie

Der Basler Thrillerautor und Buschauffeur Philipp Probst stellt seinen Roman "Der Storykiller" vor.

  1. Philipp Probst auf seiner Krimi-Lesetour durch Basel Foto: Roswitha Frey

Der erste Halt ist am Friedhof Hörnli, dem größten Friedhof der Schweiz. Dort parkt Philipp Probst, Thriller-Autor und Chauffeur in Personalunion, den Bus auf seiner spannenden Krimi-Bustour durch Basel als Erstes. Lässig mit hochgekrempelten Ärmeln, silberne Ringe an den Fingern, das lange graumelierte Haar zum Zopf gebunden, stützt sich Probst auf den Lenker, klappt seinen Medien-Thriller "Der Storykiller" auf und liest eine Passage daraus, die zur Friedhofsatmosphäre passt. "In Krimis gibt es ja immer Tote", setzt er an und verrät den Passagieren dieser etwas anderen Lesung on tour, worum es in seinem im Zeitungsmilieu spielenden "Storykiller" geht.

Es fängt mit einer dürftigen Polizeimeldung an: Im Berner Oberland wird bei Grindelwald ein Toter aufgefunden, ein Wanderer, der abgestürzt ist. Doch es ist nicht klar, ob es ein Unfall war oder doch Mord. Der News-Chef in der Redaktion der Zeitung "Aktuell" wird hellhörig, denn bei dem Opfer handelt es sich um einen bekannten Politiker. Der ehrgeizige Jungreporter Alexander Gaster wird auf den Fall angesetzt und fängt an zu recherchieren. Auf der Spur einer ganz heißen Story kennt der Reporterfrischling nur ein Ziel: einmal auf Seite 1 zu kommen, die beste Geschichte zu haben, die Headline, den Aufmacher mit den dicken fetten Schlagzeilen. Doch die Story, für die Gaster sehr viel aufs Spiel setzt, wird immer gefährlicher: Die Regierung mischt sich ein, Terroristen kommen ins Spiel, ein USB-Stick mit geheimen Daten über ein Militärprojekt taucht auf.

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Der Basler Philipp Probst weiß, wovon er schreibt. Er kennt die Medienszene aus dem Effeff, war 25 Jahre lang Journalist und Reporter bei der Basler Zeitung, dem Blick, der Schweizer Illustrierten, zuletzt bei "20 Minuten". "Ich war ein 24-Stunden-Journalist, immer auf der Jagd nach heißen Geschichten". Von daher hat sein Thriller um den unerschrockenen Jungreporter Alex vielleicht doch ein paar autobiografische Züge. Schon während seiner Zeit als Reporter erfüllte sich Probst einen "Bubentraum": Er wurde Brummifahrer. In den Ferien fuhr er Lastwagen, auch als Fernfahrer. Ein harter, anstrengender Job. "Aber das Fernfahren hat auch romantische Seiten, dieses Mensch- und Maschine-Feeling, dieses King of the Road", schwärmt Probst, der nun umgesattelt hat und Buschauffeur bei den Basler Verkehrsbetrieben ist – und freier Roman- und Thrillerautor.

Was lag da näher, als beide Leidenschaften, das Chauffieren und Krimischreiben, zu verbinden auf dieser erstmaligen Krimi-Bustour in Basel, die er zusammen mit Felix Werner von der Buch Basel entwickelt hat. "Klassische Lesungen sind für mich immer ein bisschen langweilig, wenn der Autor vorne an einem Tischchen sitzt, vor sich ein Glas Wasser und einen Blumenstrauß...", erzählt Probst, während er geschickt den Bus vom Claraplatz aus zum Friedhof am Hörnli und zurück quer durch die Innenstadt und das samstägliche Einkaufs-Gewühl lenkt.

Eine Krimilesung als Road-Movie, mit zwei, drei Stationen und "Tatorten" in Basel: Diese originelle Idee kommt bei den Krimifans an. Als zweiten "Tatort" steuert Probst den Schützenmattpark an: "Parks ziehen auch Kriminelle an, und Krimiautoren...". In diesem Park spielt eine mysteriöse Szene im Thriller, in dem zwei Polen namens Mateusz und Krysztof in den ominösen Fall verwickelt werden und versuchen, eine Leiche zu verstecken und zu vergraben. Philipp Probst in Doppelfunktion als Thrillerautor und Busfahrer macht es spannend, liest immer nur kleine Episoden, um nicht zu viel zu verraten. Am liebsten ist ihm, wie er sagt, wenn die Leser vor lauter Spannung und Nervenkitzel das Buch in einem Zug durchlesen und schlaflose Nächte haben...

Auf der Literatur-Tour durch die Stadt am Rheinknie gibt Buchhändlerin Manuela Hofstätter noch mehr Krimitipps, etwa Gerlinde Michels "Alarm in Zürichs Stadtspital" über ein verschwundenes Baby oder Tom Hillenbrands "Rotes Gold" über einen vergifteten Sushimeister – "superspannend".

Autor: ros