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26. April 2011

Eine Reise in träumerische Gefilde

Die Soul-Sängerin Jerusalem Ilfu und ihre fünfköpfige Band im Kulturzentrum Kesselhaus in Weil-Friedlingen.

  1. Jeru Ilfu Foto: Thomas Loisl Mink

Reisen prägten das Leben von Jerusalem Ilfu, und von Reisen erzählt sie auch in ihrer Musik. "Travelogue" heißt folgerichtig ihr zweites Album, Reisebericht also, und Songs aus diesem Album präsentierte sie neben einigen anderen zusammen mit ihrer Band am Samstagabend im vollbesetzten Kulturzentrum Kesselhaus in Weil-Friedlingen. Die Zuhörer nahm sie dabei mit auf eine gefühlvolle Reise in entlegene Regionen und träumerische Gefilde.

Die fünfköpfige Band legte sanft groovend los, dann kam Sängerin Jeru Ilfu dazu und nahm mit ihrer samtweichen Stimme die Zuhörerinnen und Zuhörer sogleich gefangen. Songs zum Zurücklehnen und Entspannen machen das Repertoire der Sängerin in erster Linie aus, sanfte Soul-Balladen mit einer großen Portion Jazz. Zurückhaltend, präzise und gefühlsbetont begleitet von Piano, Kontrabass, Gitarre, Schlagzeug und Percussion entfaltete Jeru Ilfu mit ihrer wunderbaren Stimme geschmeidig schöne und verhalten lodernde Lieder, die einen mitnahmen auf Reisen in andere Welten. Songs von großer emotionaler Tiefe und reifer Musikalität erklangen im Kesselhaus, und der intime Rahmen des Veranstaltungsortes bot die beste Atmosphäre für diese Musik. Für eine entspannte und persönliche Stimmung sorgte vielleicht auch, das einige Freunde von Jeru Ilfu im Publikum waren.

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Als Kind von Eltern aus dem nordostafrikanischen Eritrea kam Jeru Ilfu in Deutschland zur Welt, und nach zahlreichen Reisen ließ sie sich vor einiger Zeit in Basel nieder. Ihre Songs schreibt sie selbst, auf bewundernswert eigentümliche Art, nämlich mit zwei Fingern am Klavier, wie Pianist Manuel Halter verriet. Die Band bearbeitet die Songs anschließend, und so entstehen im Zusammenspiel wundervolle Slowjazz- und Soul-Balladen. Die etwas schnelleren Nummern, die im zweiten Teil des Konzerts vorkamen, bildeten die Ausnahme.

Man fühlte sich beim Zuhören an Sade erinnert oder an Cassandra Wilson, vom gefühlvoll-warmen Ausdruck der Stimme her eher an Sade, vom Musikstil her mehr an Wilson, vor allem im zweiten Konzertteil, der stärker jazzorientiert war und neue Stücke, die in den vergangenen beiden Monaten entstanden sind, vorstellte. Mit ihren reizvollen Liedern, geprägt von schönen Melodien, die nichts gemein hatten mit der uniformen Hitparadenkost, mit ihrem Charme und ihrem berührenden Gesang gewann Jeru Ilfu das Publikum im Kesselhaus mühelos für sich. In ganz zarten, zerbrechlichen Parts setzte sie ihre nuancenreiche Stimme ebenso sicher und virtuos ein wie an den den kraftvollen Stellen.

Die Band ließ sich von den etwas beengten Verhältnissen auf der Bühne nicht davon abhalten, der Stimme der Sängerin eine dezente und doch tragende Basis zu geben. Während Gitarre, Bass und Schlagwerk den Schwerpunkt auf die Rhythmik der Songs legten, kam Manuel Halter, der sowohl akustisches als auch E-Piano spielte, die tragende Rolle in der Band zu, die er souverän ausfüllte.

Die Zuhörer im Kesselhaus bekamen einen frischen und geschmeidigen Cocktail aus Soul und Jazz serviert, und man darf gespannt sein, wohin ihre musikalische Reise Jeru Ilfu noch führen wird.

Autor: Thomas Loisl Mink