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09. Februar 2012

Explodierende Vielfalt

Das Ensemble Chronophonie konzertierte in Freiburg.

"Crossing Borders", "Grenzen überschreiten" wollte das Ensemble Chronophonie bei seinem Konzert in der Freiburger Elisabeth-Schneider-Stiftung. Sechs Werke waren zu hören, die den, wie das Programmheft formulierte, "regen künstlerischen Austausch zwischen dem Breisgau und Südkorea" illustrieren sollten. Gemeinsam war allen die materielle Reduktion: Keines forderte mehr als drei Musiker. Extreme markierten zwei Stücke: "Faktor Nr. 1" des in Korea lebenden Roland Breitenbach für Querflöte solo beschränkte den äußeren Rahmen am stärksten, ließ dafür im Inneren die Vielfalt der Mittel gleichsam explodieren.

Kaum eine Klangmöglichkeit blieb unausgeschöpft. Daniel Agi entfaltete eine flächige Klanglandschaft. "Few and far between" von Martin Bergande nahm Schlagwerk (Lee Ferguson) und Trompete (Steve Altoft) hinzu, konzentrierte seine Klangsprache auf ein Minimum: Einzelne Töne der Bläser treten mit den ähnlich sparsam eingesetzten Perkussionsinstrumenten lakonisch in Beziehung.

Hatte Bergande sich von Bildern inspirieren lassen, so trat nun der intermediale Bezug in Minkyu Kims "Kombinationen" ins Zentrum der Aufführung: Auf einer schwarzen Leinwand wandern weiße Kreise per Filmzuspielung hin und her, verschwinden, als die Musik einsetzt, tauchen wieder auf. Demgegenüber wirkten die Werke von Wolfgang Motz ("Stiefeli") und Mia Schmidt ("Sternenstaub") auf moderate Weise opulent. Da dialogisieren Schlagwerk und 19-Ton-Trompete, apodiktischer bei Motz, rhythmisch und melodisch fließender bei Schmidt. Younghi Pagh-Paans dichte Skizze für Schlagzeug solo "Ta Ryong VI" rundete das internationale Tableau. Den Musikern von Chronophonie waren hellwache und einfühlsame Darbietungen unkonventioneller Stücke zu danken.

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Autor: Gero Schreier