Ferne und nahe Klänge

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Fr, 31. August 2018

Klassik

Die Konzertsaison 2018/19 des Freiburger Ensemble Aventure.

Kaum ein Begriff ist so schwer zu definieren wie Neue Musik. Wolfgang Rüdiger versucht es mit einer verbindenden Charakterisierung und bezeichnet sie in seinem Vorwort zur neuen Saisonbroschüre des Freiburger Ensemble Aventure als "Land der Wunder". In diesem geht es zum Saisonauftakt am 28. September um "Zeiten – Dialoge". Dahinter verbirgt sich eine programmatische Korrespondenz mit der klassischen Moderne. Der Freiburger Musikwissenschaftler und Komponist Gösta Neuwirth wird im schon traditionellen Konzertgespräch darüber räsonieren. Es erklingen auch zwei Werke von ihm, darunter als Uraufführung das von ihm für drei Bläser und Klavier bearbeitete Nachtstück aus Franz Schrekers Oper "Der ferne Klang". Neuwirth hat 1968 über dieses Werk promoviert.

Mit sechs Konzerten, wie immer in der Freiburger Elisabeth-Schneider-Stiftung, wartet das Ensemble Aventure wieder auf. In der laufenden Saison wird es überdies mit Unterstützung der Goethe-Institute bei einem Festival in Patagonien im Dezember zu Gast sein. Der Musik des südamerikanischen Subkontinents gilt ohnedies ein zentrales Augenmerk der Freiburger. In dieser Spielzeit haben sie aber auch noch andere Musikszenen im Visier. "50 Jahre 1968 – Szene Schweiz" lautet der Titel des zweiten Saisonprogramms, das nach dem musikalischen Aufbruch im Nachbarland vor 50 Jahren fragt. Und raumübergreifend geht es in dem mit dem Deutschlandfunk koproduzierten Programm "Über Grenzen" zu, das die "Vielstimmigkeit Deutschlands" (Rüdiger) einzufangen sucht: anhand von Werken, deren Komponisten hier mit Migrationshintergrund leben, etwa dem Israeli Eres Holz oder dem israelischen Palästinenser Samit Odeh-Tamimi. Das Konzertgespräch führt die Filmemacherin und Autorin Reinhild Dettmer-Finke.

"Lieder von Dunkelheit und Licht" und "Zuneigungen – Zueignungen" lauten zwei intensiv lyrisch-kammermusikalische Programme mit Uraufführungen von Julián Quintero Silva, Meinrad Schütter und Rainer Sievers. Ebenfalls erstmals zu hören ist beim Saisonfinale unter der Überschrift "Rituale" mit dem Judaisten Ruben Frankenstein ein neues Werk des Freiburger Pianisten und Komponisten Gilead Mishory: "Irdische Tänze".