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06. August 2008 17:18 Uhr

Kinomobil gastiert seit fünf Jahren in Ichenheim

"Der Plan war die Lust auf Kino"

Kino auf dem Land – das wird seit Jahren in Ichenheim geboten. Das Kinomobil macht regelmäßig Station im Löwensaal. Die BZ sprach mit Claudia Mayer von der Kino-Ag.

  1. Claudia Mayer und ein alter Filmprojektor. Foto: Christoph Breithaupt

Pippi Langstrumpf ist schon in Ichenheim gewesen. Und Jack Nicholson, Humphrey Bogart und Daniel Brühl. Sie flimmerten im Löwensaal über die Leinwand, in dem das Kinomobil Baden-Württemberg und der Kulturverein Läwe im Lewe Filme zeigt. Am Freitag, 8. August, wird der fünfte Geburtstag gefeiert. Mit einem besonderen Film. BZ-Redakteurin Ulrike Derndinger hat sich mit der Ichenheimerin Claudia Mayer von der zuständigen Kino-AG unterhalten.

BZ: Kino auf dem platten Land – ist das Experiment geglückt?

Mayer: Auf jeden Fall. Wir zeigten in den fünf Jahren 87 Filme und hatten mehr als 3000 Besucher.

BZ: Mit welchem Ziel ist die Kino-Arbeitsgemeinschaft vor fünf Jahren angetreten?

Mayer: Der Plan war die Lust auf Kino. Wir haben uns kein bestimmtes Zuschauerziel gesteckt und hatten einfach die Hoffnung, dass viele andere die Lust teilen.

BZ: Haben Sie ein Stammpublikum oder kommen immer wieder andere Leute ins Löwen-Kino?

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Mayer: Das Stammpublikum besteht aus etwa 25 Leuten, der Rest ist sehr vom Film abhängig. Es kommen aber sogar Leute aus Offenburg, weil bestimmte Filme dort nicht laufen.

"Wir haben uns kein

bestimmtes Zuschauerziel

gesteckt und hatten

einfach die Hoffnung, dass andere die Lust teilen."

Claudia Mayer
BZ: Welcher war in den fünf Jahren die am besten besuchte Vorstellung?

Mayer: Einer unserer am besten besuchten Filme war der Film "Wie im Himmel". 140 Leute kamen, um ihn zu sehen.

BZ: Sie führen sechs Mal im Jahr Filme vor, mit Vorstellungen um 14, 17 und 20 Uhr. Die frühe ist für Kinder, die späte für Erwachsene. Bei den Jugendlichen hapert es noch ein wenig mit den Besucherzahlen.

Mayer: Ja. Das ist sehr schade, denn es sind immer sehr gute Filme. Vielleicht liegt das mangelnde Interesse auch daran, dass 17 Uhr zu früh ist. Da kommen manche erst aus dem Nachmittagsunterricht nach Hause.Wir wollen den Jugendfilm nun wenigstens auf 17.30 Uhr verlegen, vielleicht schaffen es ja dann mehr Jugendliche, zu kommen.

BZ: Sie kooperieren mit dem Verein Kinomobil Baden-Württemberg, dessen Ziel es ist, Filmkultur in die ländlichen Regionen zu bringen.

Mayer: Ja. Der gemeinnützige Kinomobil-Verein kooperiert mit der Gemeinde Neuried, die eine Eintrittsgarantie gewährleistet und für die Spieltage am Mittwoch die Saalmiete übernimmt.

BZ: Sind Sie vom Programm, das die Filmvorführer des Vereins mitbringen, abhängig?

Mayer: Das Kinomobil hat ein festes Programm, aber wir können Anregungen geben. Wir können uns auch einen Film wünschen, aber dann muss der Kulturverein Läwe im Lewe die Leihgebühren von etwa 200 Euro aus der eigenen Tasche bezahlen. Das haben wir zum Beispiel im vergangenen Jahr gemacht, als der 3. Oktober auf unseren Kinomittwoch fiel. Da zeigten wir dann den DDR-Film "Goodbye, Lenin!" und immer zum Open Air Kino wünschen wir uns auch was Spezielles.

BZ: Das ist in diesem Jahr der Film "Nachts, wenn der Teufel kam" von Robert Siodmak. Eine politische Studie über den Nationalsozialismus. Warum haben Sie diesen Film ausgesucht?

Mayer: Der fünfte Geburtstag war nicht das Kriterium, wir wollten einfach einen Film zeigen, dessen Problematik wir noch nie hatten, obwohl er vielleicht auf den ersten Blick kein typischer Open Air Film ist.

BZ: Welchen aktuellen Film im richtigen Kino können Sie empfehlen – und sehen wir ihn vielleicht mal im Löwensaal?

Mayer: Ich fand den Film "Kirschblüten" von Doris Dörrie sehr gut, den müssen wir allerdings wieder extra anfordern. Wenn ich von vielen Leuten den Wunsch dazu höre, dann machen wir das.

Info: Open Air Kino am Freitag, 8. August, im Innenhof des Gasthaus Löwen Ichenheim. Gezeigt wird der Filmklassiker "Nachts, wenn der Teufel kam" von Regisseur Robert Siodmak, von 1957. Er erhielt den Oscar für den besten ausländischen Film. Beginn ist gegen 22 Uhr, bei schlechtem Wetter wird der Firm im Löwensaal gezeigt. Die Gaststätte ist ab 18 Uhr geöffnet. Die Filmfans können tippen, wie viele Besucher kommen werden. Der Gewinner erhält ein Filmplakat. Zum Film: Berlin während des Zweiten Weltkriegs. Kommissar Kersten kommt dem geistesgestörten Bruno Lüdke auf die Spur, auf dessen Konto Frauenmorde gehen. Von höchster Stelle wird Stillschweigen angeordnet. Das Eingeständnis, dass eine 80-fache Mordserie jahrelang unentdeckt geblieben ist, ist politisch unerwünscht.

Autor: ude