Frauenhass und Naturalismus

Annette Hoffmann

Von Annette Hoffmann

So, 09. Dezember 2018

Kunst

Der Sonntag Grafiken von Edvard Munch im Haus der Graphischen Sammlung.

Es spricht für die Sammlung des Museums Kunst der Westküste auf Föhr, dass neben der Ausstellung mit Landschaftsmalerei (siehe Text auf der vorigen Seite) im Haus der Graphischen Sammlung quasi als Bonus auch eine Präsentation mit Grafiken von Edvard Munch zu sehen ist.

Die Erzählung von Alpha und Omega liest sich wie eine verdrehte Adam-und-Eva-Geschichte. Nur, dass die Schlange nicht dazu verführt, nach dem Apfel der Erkenntnis zu greifen, sondern selbst die Verführung ist. Edvard Munchs Deckblatt zu den 22 Lithographien bereitet mit einer Komödien- und Tragödienmaske bereits darauf vor, dass es nach den ersten glücklichen Stunden des Paares nicht gut ausgehen wird für Alpha und Omega. Schuld daran ist natürlich die Frau, die aus Mangel an anderen Männern mit den Tieren der Insel Sex haben wird und mit ihnen Kinder zeugt. Während Omega es sich gut gehen lässt, grämt sich Alpha. Weder bereit, die Nachkommenschaft der Mischwesen zwischen Mensch und Tier zu versorgen, als Omega von der Insel flieht, noch ihr zu verzeihen, nachdem sie zurückgekehrt ist, bringt er sie um. Doch die Genugtuung ist von kurzer Dauer, im Gegenzug wird Alpha von den Kindern getötet.

Das Verhältnis zwischen Frauen und Männern im Werk Munchs, aber auch in seinem Leben, könnte entspannter sein. 1909 ist ein Krisenjahr Munchs. Seine Alkoholabhängigkeit wird immer destruktiver, schließlich wird er acht Monate in einer Nervenklinik in Kopenhagen verbringen. Viele der Tiere, die Munch für diese Mappe zeichnete, hatte er im benachbarten Zoologischen Garten beobachtet. Edvard Munchs Mappe "Alpha und Omega" ist in seinem kruden Witz ein Highlight der Ausstellung im Haus der Graphischen Sammlung.

Dass diese Präsentation von Grafiken des berühmten Norwegers aus der Ausstellungshalle des Augustinermuseums ausgelagert wurde, ergibt Sinn und erklärt sich aus der Größe und Qualität der Sammlung des Museums Kunst der Westküste. Einen repräsentativen Einblick in das Gesamtwerk kann diese kleine Schau mit 25 Radierungen, Farbholzschnitten und Lithographien auf theatralisch violetten Wänden nicht geben, aber sie stellt doch wesentliche Themen und Motive vor.

Edvard Munch ist stark vom Menschenbild des Naturalismus geprägt. Die Menschen mögen zusammenleben, allein sind sie immer. 1894 vollendete er die Kaltnadelradierung "Zwei Menschen. Die Einsamen". Ein Paar steht mit einiger Distanz zusammen am Strand und schaut auf das Meer. Der Eindruck von Verlassenheit wird auch dadurch gestärkt, dass wir ihre Mienen nicht lesen können. Krankheit und Tod sind nach dem Verlust der Mutter und der Schwester, die beide an Tuberkulose starben, ein wiederkehrendes Thema in seinem Werk. Die heiteren Genreszenen in der Hauptausstellung, die einmal einen Fischer und das andere Mal zwei Frauen an einem Sommertag darstellen, scheinen da lange vorbei.
Faszination Norwegen, Edvard Munch im Augustinermuseum, Haus der Graphischen Sammlung, Salzstraße 32 in Freiburg, Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr, bis zum 17. März.