"Hatte meinen eigenen Kopf"

Markus Tschiedert

Von Markus Tschiedert

Fr, 07. September 2018

Kino (TICKET)

TICKET-INTERVIEW: Der Schauspieler Aaron Hilmer über seinen neuen Film sowie große Nasen.

Mit dieser Rolle könnte Aaron Hilmer ganz groß rauskommen. In der Teenie-Komödie "Das schönste Mädchen der Welt" erlebt man den 1999 in Freiburg geborenen Jungschauspieler als modernen Cyrano de Bergerac, der seiner Angebeteten seine Liebe nicht gestehen

kann. Er findet seine Nase zu groß. Hilmer steht seit seinem zwölften Lebensjahr vor der Kamera, unter anderem in "Notruf Hafenkante" und in "Die Pfefferkörner". Markus Tschiedert traf ihn zum Interview.

Ticket: Kannten Sie die Geschichte von Cyrano de Bergerac nach Edmond Rostand?
Hilmer: Nein, aber das Drehbuch hat für mich auch allein funktioniert. Daher habe ich bewusst entschieden, ich schaue mir bisherige Verfilmungen nicht an, weil für mich diese Rolle sowieso schon verständlich war. Erst danach habe ich mir das Theaterstück angesehen und habe tatsächlich viele Parallelen entdecken können. Unser Drehbuch war also schon eine sehr gelungene Adaption. Da habe ich gemerkt, dass meine Interpretation der Rolle nicht so viel anders war als die des Bühnenschauspielers.
Ticket: Wie fanden Sie die Übersetzung der alten Verse aus dem 19. Jahrhundert in eine moderne Jugendsprache von heute?
Hilmer: Auch das ist sehr gelungen. In der Wortwahl gibt es einige Parallelen. In einem der letzten Verse heißt es: "Da stech’ ich dich." Und im Film gibt es auch eine Szene, in der diese Worte übernommen wurden. Aber es gab auch von der Regieseite aus eine große Bereitschaft, dass wir eigene Dinge einbringen: "Sag’ es doch so, wie du es sagen würdest."
Ticket: Wie war es für Sie, für die Rolle eine größere Nase zu tragen?
Hilmer: Die wurde für mich jeden Morgen gebastelt und auf mein Gesicht geklebt. Das dauerte eine Stunde. Die Nase wurde vorher modelliert und jedes Mal neu aus Silikon gegossen. Da hat die Maskenabteilung große Arbeit geleistet.
Ticket: Wie fühlten Sie sich damit?
Hilmer: Ich erinnere mich noch genau an den ersten Drehtag. Da habe ich einen Cappuccino getrunken und Schaum war auf der Nase. Das war anfangs ein bisschen komisch, aber man gewöhnt sich daran. Irgendwann wurde sie richtig Teil von mir, was ein Riesengeschenk ist. Da habe ich mich im Spiegel gesehen und mir gesagt: "Alles klar!"
Ticket: Wie haben andere darauf reagiert?
Hilmer: Das war interessant. Manche haben dich einfach mal ganz dezent angeguckt – einfach mal, um den Zinken abzuchecken. Ich selbst hab’s dann oft vergessen, dass ich diese Nase trage, weil man sie auch nicht spürte. Am Set habe ich oft gehört: "Mann, sieht die echt aus." Klar sieht die echt aus! Im Film geht’s ja um die Nase. Du willst ja nicht im Kino sitzen und ständig auf eine Nase schauen, die nicht echt aussieht.
Ticket: Dennoch wurde mit der Größe der Nase nicht so übertrieben wie bei Steve Martin in "Roxanne"...
Hilmer: Ja, das war ganz feine Arbeit, dass die Nase mich nicht entstellt, aber dennoch als großer Zinken wahrgenommen werden kann.
Ticket: Im Film singen Sie auch als Rapper. Ist das Ihre eigene Stimme?
Hilmer: Das ist alles echt! Davor habe ich nie vor der Kamera gesungen. Ich empfand die Rolle aber wie einen Schutz. Das bin nicht ich, der da rappt. Das ist Cyril. In der Rolle zu sein, machte es für mich automatisch easy. Ich war auch nicht aufgeregt, in den Showszenen zu rappen. Das bin ja nicht ich, der den Text geschrieben hat. Das zu wissen, hat mir die Unsicherheit genommen.
Ticket: Welche Position hatten Sie denn in Ihrer Klasse? Außenseiter, Pausenclown oder Obermacker?
Hilmer: Teilweise war ich ein Problemfall. Ich hatte schon immer meinen eigenen Kopf und meine eigenen Vorstellungen davon, wann ich wach bin und wann ich was zu tun habe. Ansonsten hatte ich eine aufregende und witzige Schulzeit, bin aber sehr froh, dass ich die Schule jetzt abgeschlossen habe und das Kapitel für mich abgehakt ist.